NEOS zu fehlenden Kassenärzten: Hauptproblem bleibt die Schere zwischen Wahl- und Kassenärzten
„Das Honorarsystem für Kassenärzte ist in seiner derzeitigen Form nicht mehr praktikabel. Die Schere zwischen Kassen- und Wahlärzten wird immer größer und es gibt für Mediziner kaum mehr Gründe, Kassenarzt zu werden bzw. zu bleiben“, so NEOS-Klubobfrau Birgit Obermüller. Beipflichten kann ihr der Kassenarzt und NEOS-Landesteammitglied Dr. Marc-André Leitgeb-Mayer.

„Selbst bei einer Verdoppelung der Honorare würde man diese Schere nicht mehr schließen können. Fakt ist jedoch auch, dass die Honorarerhöhungen der letzten Jahre die Kostensteigerungen nicht aufgefangen haben. Um die steigenden Konsultationszahlen zu bewältigen, mussten wir die letzten Jahre beim Personal regelmäßig aufstocken, ohne jedoch merkliche Umsatzzuwächse zu generieren. Hinzu kommen die an uns weitergegebenen Kosten der Digitalisierung. Der Gewinn sinkt daher trotz der Mehrleistung und einem höheren betriebswirtschaftlichen Risiko tendenziell eher“, kann er der Ärztekammer beipflichten.
„Ohne einen gewissen solidarischen Beitrag der Wahlärzteschaft wird es nicht gehen. Sei es, dass eine Gebühr für die Bearbeitung der Wahlarzthonorare entrichtet oder ein Beitrag beim Bereitschaftsdienst geleistet wird. Wahl- und Fachärzte sind nämlich aktuell nicht verpflichtet, Bereitschaftsdienste zu leisten. Die Forderung nach Transparenz bei den Wahlarzthonoraren und eine Deckelung der einzelnen Positionen sind nachvollziehbar. Diese müssen mit den bereits bestehenden Honorarempfehlungen gedeckelt werden. Bei steigender Nachfrage aufgrund schlechter werdender kassenärztlicher Versorgung steuern wir sonst preislich bald auf amerikanische Verhältnisse zu. Ein streng reglementiertes Kassensystem kann nicht mehr lange neben einem komplett marktwirtschaftlichen Privatsystem existieren. Da werden auf Dauer auch Primärversorgungszentren und die Telemedizin keine Gamechanger darstellen“, fordert er Änderungen im System.
In Richtung Kammer meint Obermüller: „Den Worten müssen auch Taten folgen. Nur medienwirksame Pressekonferenzen sind zu wenig. Die Kassenärzteschaft verliert zu Recht die Geduld. Die Probleme sind lange bekannt und auch Lösungen gibt es. Für durchgreifende Reformen fehlen bisher jedoch offenkundig sowohl der Mut als auch der Wille. Die Rufe der Kassenärzteschaft nach einer Reform ihrer Interessenvertretung sind daher nachvollziehbar und wären nicht zuletzt auch zum Wohle der Versicherten“.


