
Oktober-Landtag: Fragestunde zu den Themen Teuerung und leistbare Kinderbetreuung
In der heutigen aktuellen Stunde im Tiroler Landtag forderte NEOS-Klubobfrau ein längeres gemeinsames Lernen und mehr Mut zu Reformen in der Bildung, wie beispielsweise für die sechsjährige Volksschule: „Mit zehn Jahren haben viele Kinder ihre Stärken noch gar nicht vollständig entwickelt. Trotzdem entscheiden wir bereits nach vier Jahren Volksschule über ihren weiteren Bildungsweg. Wir müssen Kindern mehr Zeit geben, ihre Talente zu entfalten“, fordert Obermüller.

Die frühe Trennung in Mittelschule und AHS verstärke unterschiedliche Ausgangsbedingungen. Ob Kinder zu Hause Unterstützung erhalten, einen ruhigen Lernplatz haben oder die Unterrichtssprache erst erlernen müssen, beeinflusse ihre schulische Entwicklung. „Die Aufgabe eines guten öffentlichen Bildungssystems ist es, diese Unterschiede auszugleichen. Die Herkunft eines Kindes darf nicht darüber entscheiden, welche Chancen es bekommt“, betont die NEOS-Klubobfrau. Gleichzeitig erzeuge die Schulwahl bereits in der dritten und vierten Klasse unnötigen Noten- und Leistungsdruck.
Sechsjährige Volksschule eröffnet neue Möglichkeiten
Die von Bildungsminister Christoph Wiederkehr angestoßene sechsjährige Volksschule bietet für Obermüller die Chance, Kindern mehr Entwicklungszeit zu geben. Sie sollen bis zwölf gemeinsam im Klassenverband lernen und schrittweise an die Anforderungen weiterführender Schulen herangeführt werden. Auch die Persönlichkeitsbildung soll gestärkt werden: Zusammenarbeit, Konfliktlösung und der Umgang mit Rückschlägen helfen Kindern, ihren weiteren Weg selbstbewusst zu gehen.
„Welcher Bildungsweg zu den Fähigkeiten und Interessen eines Kindes passt, lässt sich mit zwölf besser einschätzen als mit zehn. Deshalb verdient dieser Schulversuch eine echte Chance, auch in Tirol“, fordert Obermüller ein Pilotprojekt in Tirol. Die freiwillige Erprobung soll wissenschaftlich begleitet werden. Über einen weiteren Ausbau soll anhand veröffentlichter Ergebnisse entschieden werden.
ÖVP muss ihre Blockadehaltung überwinden
Scharfe Kritik übt Obermüller an der ablehnenden Haltung von Bildungslandesrätin Cornelia Hagele: „Wer neue Ideen reflexartig zurückweist, bevor sie überhaupt erprobt werden können, verhindert Fortschritt. Das ist aber leider die Haltung der Tiroler ÖVP seit über 80 Jahren.“ Die ÖVP müsse endlich bereit sein, neue Wege zu ermöglichen. „Nach Außen hin zeigt man sich immer offen, aber wenn es ans Eingemachte geht, kommt wieder einmal die heilige Dreifaltigkeit der ÖVP zum Vorschein: „Das haben wir noch nie so gemacht. Wie soll das gehen? Wo kommen wir denn da hin?“
Die seit Jahren festgefahrene Debatte über die gemeinsame Schule dürfe kein Vorwand sein, auch andere Ansätze abzulehnen. „Wir erwarten von Lehrkräften, jedes Kind individuell zu fördern. Dann müssen wir ihnen auch die Unterstützung und den pädagogischen Spielraum dafür geben. Unsere Kinder brauchen ein Schulsystem, das zu ihrer Zukunft passt. Dafür braucht es eine ÖVP, die Reformen zulässt und neuen Ideen offen gegenübersteht“, schließt Obermüller.