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Reformen werden aus Mut gemacht

Beschlossen mit 100 % · Landesmitgliederversammlung 2. Oktober 2026

Wahlprogramm NEOS Tirol

Reformen werden aus Mut gemacht

Freiheit beginnt mit Bildung. Vertrauen beginnt mit Transparenz. Wohlstand beginnt mit Mut.

Wir wollen ein Tirol, in dem es darauf ankommt, was man kann, nicht wen man kennt, Politik nachvollziehbar handelt und Leistung wieder belohnt wird. Für uns NEOS gehören Freiheit und Verantwortung zusammen: Der Staat soll Chancen eröffnen, klare Regeln setzen und dort verlässlich helfen, wo Menschen wirklich Unterstützung brauchen. Er soll aber nicht bevormunden, durch Bürokratie bremsen oder Macht hinter verschlossenen Türen verteilen. Die beste Bildung für alle und echte Chancengerechtigkeit sind der Schlüssel für ein zukunftsfittes Tirol.

Wir verbinden diese Chancengerechtigkeit mit Eigenverantwortung, wirksame Hilfe mit klaren Regeln und ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Vernunft. Das Land soll sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren, Entscheidungen erklären und Ergebnisse messbar machen. So entsteht ein Tirol, das Familien entlastet, Betrieben Freiraum gibt, soziale Sicherheit gewährleistet und seine einzigartige Natur für kommende Generationen bewahrt.

Die Tiroler Landespolitik soll sich mit den Herausforderungen und Themen beschäftigen, die sie in Tirol selbst bewältigen und lösen kann. Daher beschäftigen wir uns auch in unserem Tiroler Wahlprogramm vorrangig mit jenen Bereichen, die in der Kompetenz des Landes liegen.

Bildung ist der Grundstein für Alles

Jedes Kind muss die Chance haben, seine Talente zu entfalten - unabhängig vom Einkommen der Eltern, der Herkunft oder dem Wohnort. Bildung entscheidet darüber, ob Menschen ihr Leben selbst gestalten können. Deshalb beginnt unsere Bildungspolitik bei den Jüngsten und reicht bis zur beruflichen Weiterbildung, Hochschule und Spitzenforschung.

Kinderkrippen und Kindergärten: Chancen von Anfang an

Gute Elementarpädagogik ist der erste und wichtigste Baustein für Chancengerechtigkeit. Wir wollen einen echten Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr, keine faulen Kompromisse. Dieser Anspruch muss erst recht auch für chronisch kranke Kinder und Kinder mit komplexen Behinderungen gelten. Eltern brauchen verlässliche Öffnungszeiten, leistbare Beiträge und die Sicherheit, dass ein Betreuungsplatz tatsächlich zur Verfügung steht. Private Kinderbetreuungseinrichtungen sollen nach einheitlichen und planbaren Kriterien gefördert werden, damit Qualität nicht von kurzfristigen Entscheidungen einzelner Gemeinden abhängt.

Qualität braucht ausreichend Personal. Unser Ziel ist eine Kindergartenpädagogin und zwei Assistenzpädagog:innen in jeder Gruppe. Dadurch bleibt mehr Zeit für jedes Kind, während aufwendige Einzelanforderungen für zusätzliches Unterstützungspersonal reduziert werden können. Die Inklusionsberatung wird ausgebaut und Einrichtungen erhalten rascher fachliche Unterstützung. Deutschförderung beginnt verbindlich im Kindergarten. Eltern übernehmen Verantwortung, indem sie an Entwicklungsgesprächen teilnehmen und gemeinsam mit den Pädagog:innen den Bildungsweg ihres Kindes begleiten.

Mit einem digitalen Tiroler Chancenkonto schaffen wir für jedes Kind eine übersichtliche Bildungs- und Förderbegleitung. Es handelt sich nicht um ein Geldkonto für Eltern, sondern um ein Instrument, das Förderangebote, Talententwicklung und individuelle Bildungschancen zusammenführt. So können Unterstützungsbedarfe früher erkannt, Übergänge besser begleitet und vorhandene Angebote zielgerichteter eingesetzt werden. Zugleich entlastet eine verlässliche Kinderbetreuung Familien und stärkt Tirol als Wirtschaftsstandort, weil insbesondere Frauen nicht länger zwischen Beruf und Betreuung wählen müssen.

Schulen, die gerne besucht werden

Unsere Schulen sollen Orte sein, an denen Kinder gerne lernen und Pädagog:innen gut arbeiten können. Schulsozialarbeit wird an allen Schulen etabliert, damit soziale Probleme früh erkannt und Lehrkräfte entlastet werden. Ganztagsschulen werden tirolweit ausgebaut und beginnend mit der ersten Klasse der Volksschule entwickeln wir schrittweise einen Rechtsanspruch auf einen Nachmittagsbetreuungsplatz. Schulsprengel sollen liberalisiert werden, damit Eltern mehr Wahlmöglichkeiten erhalten und Schulen stärker eigene Profile entwickeln können.

Inklusion muss in der Praxis funktionieren. Die nötigen Ressourcen für Schulassistenz werden in einer praxistauglichen Reform des Tiroler Teilhabegesetzes verankert. Gleichzeitig bauen wir die Kinder- und Jugendhilfe personell aus, damit Familien rechtzeitig Unterstützung bekommen. Für suspendierte Schüler:innen schaffen wir ein innovatives Begleitangebot, das etwa Evolutionspädagogik, tiergestützte Angebot und sozialpädagogische Betreuung verbindet. Ziel ist nicht bloße Ausgrenzung, sondern eine tragfähige Rückkehr in Schule und Alltag. Denn in jedem Kind schlummern verborgene Talente!

Tirol soll Pilotregionen für neue und mutige Schulmodelle ermöglichen. Pädagogische Innovation darf nicht an starren Vorgaben scheitern. Freie Schulen mit Öffentlichkeitsrecht werden ausreichend finanziell abgesichert, wenn sie überprüfbare Qualitätsstandards erfüllen. Lehrerstellen vergibt die Bildungsdirektion tatsächlich nach fachlichen Kriterien. Auch bei Direktionen und anderen Führungspositionen muss Kompetenz an die Stelle der Parteibuchlogik treten. Postenschacher schadet Kindern, Pädagog:innen und dem Vertrauen in öffentliche Institutionen. Gerdade im Bildungsbereich braucht es die besten Köpfe, nicht die mit den besten Kontakten.

Berufliche Bildung, Hochschulen und Forschung

Die duale Lehrlingsausbildung ist eine Stärke Tirols und wird gezielt ausgebaut. Berufsschulen werden modernisiert und ins digitale Zeitalter geführt. Lehrberufe in Informatik, Coding und App-Entwicklung erhalten mehr Gewicht, traditionelle Lehrberufe werden technisch und pädagogisch weiterentwickelt. Ein Bildungsscheck erleichtert Fort- und Weiterbildung und macht lebenslanges Lernen für Beschäftigte sowie Selbstständige leistbar. Berufsorientierung beginnt früher und zeigt jungen Menschen gleichwertig akademische und berufliche Bildungswege. Pilotregionen für innovative Schulmodelle – wie beispielsweise die Bezauer WirtschaftsSchulen - werden ermöglicht.

Für Tirols Hochschulen entwickeln wir eine gemeinsame, ganzheitliche Strategie, keinen Fleckerlteppich. Studienangebote, Forschungsschwerpunkte und Infrastruktur sollen aufeinander abgestimmt werden, anstatt Institutionen gegeneinander arbeiten zu lassen. Für besonders überlaufene Studien sind transparente Aufnahmeverfahren sinnvoll.

Der MCI-Neubau wird umgesetzt, unseren Wirtschaftsstandort zu stärken und nachhaltig aufrechtzuerhalten. Das ewige Hin und Her schadet Tirol. Spitzenforschung, wie sie auch am MCI erfolgt, braucht ausreichende und langfristig planbare Mittel, denn wissenschaftliche Exzellenz, Unternehmensgründungen und hochqualifizierte Arbeitsplätze gehören zusammen.

Ein transparenter Staat, der funktioniert

Tirol braucht eine Verwaltung, die einfach, schnell und transparent arbeitet. Weniger Bürokratie bedeutet mehr Zeit für Menschen und Betriebe, geringere Kosten und klarere Verantwortung. Digitalisierung und künstliche Intelligenz sind dabei wichtige Werkzeuge. Tirol darf sich davor nicht verschließen.

Verwaltung modernisieren und entbürokratisieren

Wir verschlanken den Verwaltungsapparat auf allen Ebenen erheblich und legen Abteilungen zusammen, wenn Aufgaben doppelt erledigt werden. Wir wollen Leistungsziele und Leistungskontrolle auch für öffentlich Bedienstete einführen und wollen dadurch den Personalstand erheblich auf ein zeitgemäßes Maß reduzieren. Gesetze und Verordnungen werden nach dem Prinzip 'one in, one out' entrümpelt: Für jede neue Regelung oder Richtlinie muss mindestens eine bestehende entfallen. Für eine Entbürokratisierung auf allen Ebenen braucht es Mut, Entschlossenheit und vor allem den Willen, alte und gewachsene Strukturen konsequent aufzubrechen. Die Koordination zwischen Behörden wird digitalisiert und auf one-stop-Shops gesetzt, statt Menschen von Stelle zu Stelle zu schicken. Zukünftig soll es eine zentrale analoge Anlaufstelle für Bürger:innen geben, die Menschen dabei hilft, sich in der digitalen Verwaltung zurecht zu finden. („Digital by Default“).

Sparen beginnt in der Politik

Wer von den Menschen einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeld verlangt, muss bei sich selbst beginnen. Wir setzen uns deshalb für eine deutliche Kürzung der Parteienförderung ein. Gleichzeitig wollen wir sicherstellen, dass jeder Euro, den Parteien aus öffentlichen Mitteln erhalten, transparent und nachvollziehbar verwendet wird. Einnahmen, Ausgaben und Rücklagen müssen nach einheitlichen Standards offengelegt und für alle Bürgerinnen und Bürger leicht zugänglich veröffentlicht werden.

Transparenz als Grundprinzip

Verwaltung, Genehmigungsverfahren und Förderungen werden vollständig transparent und so weit wie technisch möglich digitalisiert. Wir sprechen uns gegen die unkontrollierte Zuweisung von Mitteln an die Gemeinden aus GAF-Mitteln aus und fordern hierfür objektive Kriterien statt einer politischen Handkassa des Landeshauptmanns. Entscheidungswege und Ergebnisse sind öffentlich nachvollziehbar. Ein Regierungsmonitor zeigt, welche Vorhaben angekündigt, begonnen, verzögert oder abgeschlossen wurden. Beim Umgang mit öffentlichen Mitteln muss Transparenz und Nachvollziehbarkeit an erster Stelle stehen. Das gilt ganz besonders bei der Vergabe und Abwicklung von öffentlichen Aufträgen auf allen Ebenen. Führungspositionen im öffentlichen Bereich werden nach fachlicher Qualifikation besetzt, nicht nach Parteizugehörigkeit.

Starke Gemeinden durch Fusionen

Nirgendwo ist Politik unmittelbarer spürbar als in der Gemeinde. Deshalb bereinigen wir Kompetenzen zwischen Land und Gemeinden und stärken die regionale Zusammenarbeit. Gemeindefusionen und Kooperationen werden aktiv forciert, wenn sie Leistungen verbessern, Verwaltungskosten senken und einen Mehrwert für die Bevölkerung bieten. Gemeinden in finanzieller Schieflage erhalten verbindliche Sanierungskonzepte statt kurzfristiger Einzelhilfen.

Widmungsentscheidungen müssen unabhängig, transparent und frei von lokalen Interessenkonflikten getroffen werden. Die Gemeindeaufsicht wird gestärkt und zu echter Kontrolle befähigt. Künstliche Intelligenz kann bei der Erstellung von Raumordnungsprogrammen Daten auswerten und Varianten sichtbar machen, die politische Entscheidung aber nicht ersetzen. Raumordnungsverträge werden nach landesweit einheitlichen Richtlinien für alle Bürger:innen öffentlich zugänglich gemacht.

Unternehmertum ermöglichen, Wohlstand sichern

Wir wollen den Unternehmergeist nach Tirol zurückbringen. Tirols Unternehmerinnen und Unternehmer schaffen Arbeitsplätze, Innovation und Wohlstand. Politik soll faire Rahmenbedingungen schaffen, statt Betriebe durch Bürokratie und sinnlose Vorschriften auszubremsen oder einzelne Marktteilnehmer mit intransparenten Förderungen zu bevorzugen. Tirol braucht eine ausgewogene Wirtschaftspolitik, die sich nicht nur auf den Tourismus konzentriert. Gewerbe, Handel und die Industrie sind als gleichwertige Wirtschaftsfaktoren mit teils höherer Wertschöpfung zu sehen. Unternehmen, unabhängig in welcher Branche, brauchen mehr Freiheit und Spielräume, nicht noch mehr Vorschriften und Regeln.

Weniger Bürokratie, mehr Wettbewerb

Wir automatisieren Verwaltungsprozesse und setzen uns für eine Liberalisierung der Berufsausübung ein sowie für möglichst einheitliche Vorschriften in allen Bundesländern. Wirtschaftsförderungen werden radikal vereinfacht und auf Wirksamkeit geprüft, damit sie nicht zu unfairen Wettbewerbsvorteilen führen. Ladenöffnungszeiten werden liberalisiert und die Öffnung an Sonn- und Feiertagen einfacher ermöglicht. Ein digitaler One-Stop-Shop begleitet Betriebe durch sämtliche Behördenwege.

Interkommunale Gewerbegebiete mit geteilter Kommunalsteuer fördern die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Gemeinden. Eine tirolweite Gewerbeleerstands- und Flächendatenbank macht verfügbare Standorte sichtbar. Die Standortagentur wird entpolitisiert, zum Dienstleister für das regionale Standortmarketing und unterstützt eine entsprechend strategisch ausgerichtete Unternehmensansiedelung. Sie bietet einen Werkzeugkasten für Orts- und Stadtmarketing, Schulungen für Ehrenamtliche sowie geteilte Standortmanager für mehrere Regionen - Professionalisierung ohne neue Parallelstrukturen. Die Lebensraum Tirol GmbH wird von uns als teure Doppelstruktur gesehen und soll in ihrer derzeitigen Form ersatzlos gestrichen werden. Die dort budgetierten Mittel werden der Standortagentur zur Ansiedelung von innovativen Unternehmen zugewiesen.

Digitalisierung, Gründungen und Betriebsnachfolge

Glasfaser und 5G werden bis 2030 flächendeckend ausgebaut. Die Tiroler Digitalisierungsförderung wird ins Jahr 2027 geholt: Software-as-a-Service-, Cloud- und KI-Kosten werden förderfähig, ohne realitätsfremde Aktivierungspflichten. Onlineshops und digitale Vertriebskanäle werden berücksichtigt. Ein Schwerpunkt auf Cybersicherheit und ein unbürokratisches Schnellmodul unterstützen insbesondere Kleinstbetriebe.

Start-ups sollen sich unbürokratisch ansiedeln können, damit auch Absolvent:innen von Universität, Fachhochschulen und MCI in Tirol bleiben. Hierfür wollen wir ein Gründerzentrum in Innsbruck etablieren, das alle Stakeholder an einem Ort bündelt. Eine Nachfolge-Offensive mit Übergabebörse, Beratungsscheck und passenden Finanzierungsinstrumenten sichert bestehende Betriebe und Arbeitsplätze. Mitarbeiterwohnen wird über eine eigene Widmungs- und Förderschiene für alle Branchen geöffnet, nicht nur für den Tourismus. Leerstehende Gewerbeflächen werden über Kooperationen zwischen öffentlicher Hand und Privaten aktiviert.

Fachkräfte durch Bildung und Offenheit

Ein Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung hält insbesondere Frauen als qualifizierte Fachkräfte im Beruf. Bildungsscheck, duale Ausbildung, moderne Berufsschulen und neue digitale Lehrberufe sichern Qualifikation im Inland. Internationale Fachkräfte und ihre Familien erhalten durch den International Welcome Service Tirol Unterstützung bei Wohnen, Kinderbetreuung und Behördenwegen. Englisch wird als zusätzliche Amtssprache in Behörden angeboten, damit notwendige Verfahren nicht an vermeidbaren Sprachhürden scheitern.

Flughafen Innsbruck

Der Flughafen ist eine wichtige Stütze für unseren Wirtschaftsstandort und bietet der Tiroler Bevölkerung einen echten Mehrwert. Der Flughafen Salzburg zeigt, dass auch kleinere Flughäfen gut wirtschaften und attraktive Flugverbindungen anbieten können. Es benötigt aber kein Steuergeld, um unrentable Strecken künstlich am Leben zu erhalten, sondern ein neues Qualitätsmanagement, um attraktive Verbindungen nach Innsbruck zu holen.

Tourismus mit Rückhalt und Zukunft

Der Tourismus bleibt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Tirol. Dauerhaft erfolgreich ist er nur, wenn auch die Bevölkerung profitiert. Wir stärken den ländlichen Tourismus, schaffen Perspektiven gegen Abwanderung und setzen auf Ganzjahresarbeitsplätze, etwa durch ein 10+2-Beschäftigungsmodell. Das Programm sieht eine Unterstützung für Betriebe vor, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zehn Monate im Jahr beschäftigen. Statt die Belegschaft die restlichen zwei Monate arbeitslos zu melden, übernimmt der Betrieb die Lohnkosten und das Land Tirol für diese zwei Monate die Sozialabgaben und Steuern. Damit stellen wir sicher, dass diese Personen nicht nur das ganze Jahr beschäftigt sind, sondern vor allem auch eine dementsprechende Altersvorsorge aufbauen können. Große Tourismusprojekte werden nicht über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden; Bürger:innen werden verpflichtend eingebunden.

Symbolische Bettenobergrenzen ersetzen wir durch eine auslastungs – und qualitätsbasierte Steuerung. Das Ziel ist eine höhere Wertschöpfung statt Nächtigungsrekorde. Beim Bau und der Widmung von neuen Hotelbetrieben muss darauf geachtet werden, dass sowohl die Bevölkerung diese Entwicklung mitträgt, sowie die Infrastruktur dafür vorhanden ist. Bestand geht vor grüner Wiese: Sanierung, Übernahme und Betriebsnachfolge sollen vor Neubau forciert werden. Kalte Betten werden mobilisiert, Saisonier-Kontingente bedarfsgerecht angepasst.

Weniger Förderungen, bessere Rahmenbedingungen

Wir bauen Bürokratie ab, statt einzelne Betriebe dauerhaft zu subventionieren. Wirtschaftsförderungen werden auf Nachhaltigkeit und Wirksamkeit überprüft, weniger Steuern und Abgaben sollen Betriebe langfristig entlasten. Liberalere Öffnungszeiten stärken Gastronomie, Handel und touristische Angebote. Die Tourismusabgabe wird vollständig abgeschafft. An ihre Stelle tritt eine tirolweit einheitliche Nächtigungsabgabe, ohne regionale Ausnahmen und Sonderregeln. Das schafft faire Wettbewerbsbedingungen und eine transparentere Finanzierung der Tourismusverbände.

Tourismusverbände demokratisieren

In den Tourismusverbänden gilt ‘one person, one vote’ statt eines Stimmgewichts nach Beitragshöhe. Kleinbetriebe erhalten mehr Mitspracherecht. Professionelle Geschäftsführungen ersetzen politische Strukturen, Doppelgleisigkeiten und ineffiziente Verbände werden abgebaut. Der Landesrechnungshof erhält wirksame Kontrollmöglichkeiten. Regionen entwickeln sich strategisch zu starken Marken, spezialisieren ihre Angebote und nutzen gemeinsame digitale Buchungs- und Serviceplattformen. Ein ThinkTank Tirol beobachtet Innovationen und Zukunftstrends.

Skigebiete und Beschneiung mit Hausverstand

Es ergibt keinen Sinn mehr, Skigebiete mit Steuergeld zu fördern, deren mittelfristiger Betrieb durch den Klimawandel nicht gesichert ist. Bestehende Skigebiete werden qualitativ gestärkt, statt neue Gebiete zu erschließen. Sinnvolle Zusammenschlüsse können unterstützt werden und öffentliche Förderungen für Skigebiete werden weitgehend beendet. Klimafolgen verlangen ehrliche Strategien, gleichzeitig müssen leistbare Angebote für Einheimische und Familien erhalten bleiben. Technische Beschneiung wird auf Basis digitaler Echtzeitfreigaben nach Wetterlage, Wasserverfügbarkeit und ökologischen Kriterien ermöglicht.

Leistbares Wohnen durch mehr Angebot

Leistbares Wohnen entsteht vor allem durch mehr und günstigeren Wohnraum. Tirol muss Bauen, Nachverdichten, Sanieren und Renovieren einfacher machen. Neue Abgaben allein schaffen keine Wohnungen; sie erzeugen oft nur Bürokratie und Umgehungskonstruktionen.

Günstiger bauen und schneller genehmigen

Wir entrümpeln Bauvorschriften und die Tiroler Bauordnung radikal. Starre Vorgaben und kostentreibende Standards werden auf Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit geprüft und gegebenenfalls abgeschafft. Aufstockungen, Dachbodenausbauten, höhere Baumassen, wo sinnvoll und andere Formen der Nachverdichtung sollen dort möglich sein, wo Infrastruktur und Ortsbild es zulassen. Eine eigene Umbauordnung erleichtert Sanierungen und Umnutzungen im Bestand.

Ein verpflichtender digitaler Bauakt macht Unterlagen, Stellungnahmen und Fristen für alle Beteiligten sichtbar. Eine Fast Lane beschleunigt einfache und gut vorbereitete Projekte. Baurechtliche, gewerberechtliche, wasserrechtliche und naturschutzrechtliche Bewilligungen werden an einer Stelle aus einer Hand bearbeitet. Innovative, preiswertere Wohnkonzepte sollen auch außerhalb überholter Normen erprobt werden können.

Wohnbauförderung gezielt einsetzen

Die Wohnbauförderung bleibt ein wichtiges Instrument, darf aber nicht die Antwort auf jede Preissteigerung sein. Beim Erstkauf soll das Land über eine Geld-zurück-Lösung bei der Grunderwerbsteuer unterstützen. Um die finanzielle Belastung durch hohe monatliche Rückzahlungen für Familien zu senken, sollen durch Umgestaltung der Wohnbauförderung Möglichkeiten für langlaufende Kredite für Eigentumserwerbs geschaffen werden. Flexible Mietkaufmodelle erleichtern den schrittweisen Eigentumserwerb. Darlehensrückzahlungen aus der Wohnbauförderung werden zweckgebunden wieder für sozialen Wohnbau eingesetzt.

Im geförderten Wohnbau stehen Nutzen und Leistbarkeit an erster Stelle. Projekte müssen kostengünstig und zweckmäßig gebaut werden und dürfen keine Prestigebauten für Bürgermeister werden. Die Einkommens- und Lebenssituation wird regelmäßig überprüft, damit geförderte Wohnungen jenen zugutekommen, die sie tatsächlich brauchen. Wenn sich die finanzielle Situation der Mieter:innen im Laufe eines Lebens verbessert, muss dieser Umstand auch in geförderten Wohnungen berücksichtigt werden. Befristete Mietverträge und ein stärkerer Fokus auf Subjektförderung können Fehlbelegungen reduzieren. Wohnungstausch wird erleichtert, wenn sich Familiengröße oder Bedürfnisse verändern. Studentisches Wohnen und Wohnheime werden vor allem in Innsbruck forciert, um den allgemeinen Wohnungsmarkt zu entlasten.

Raumordnung transparent und überregional denken

Neu- und Umwidmungen schaffen große Werte und müssen deshalb besonders transparent sein. Widmungsentscheidungen werden zukünftig von einer übergeordneten Behörde getroffen, um Unabhängigkeit zu garantieren und lokale Interessenkonflikte zu vermeiden. Raumordnungsverträge erscheinen auf den Gemeindewebseiten und folgen einheitlichen Regeln. Künstliche Intelligenz kann Flächenpotenziale, Infrastrukturkosten und Entwicklungsvarianten sichtbar machen. Die überörtliche Raumordnung wird gestärkt, um brachliegende Flächen zu nutzen, Ortskerne zu revitalisieren und Zersiedelung zu vermeiden. Bei der Bebauung und Widmung von Gewerbegebieten braucht es eine intensivere Zusammenarbeit und gemeinsame Nutzungen zwischen den Gemeinden, bevor Grünland umgewidmet wird.

Leerstand mobilisieren und Freizeitwohnsitze rechtssicher steuern

Das Tiroler Freizeitwohnsitz- und Leerstandsabgabengesetz wird auf Wirksamkeit geprüft und grundlegend reformiert. Leerstands- und Baulandmobilisierungsabgaben sind in ihrer derzeitigen Form Bürokratiemonster ohne ausreichenden Lenkungseffekt. Wir setzen auf Anreize, ändern hinderliche mietrechtliche Regeln und bauen Modelle wie Sicheres Vermieten aus.

In einigen Regionen wird das Thema Freizeitwohnsitze sehr emotional diskutiert. Sie sind aber auch vielerorts ein Wirtschaftsfaktor. Daher fordern wir eine sachliche und lösungsorientierte Debatte. Es braucht objektive, rechtssichere und praxistaugliche Kriterien, statt schwer überprüfbarer Merkmale wie den Mittelpunkt des Lebensinteresses. Die aktuelle Rechtslage macht objektive Kontrollen schwierig und führt zu langwierigen juristischen Auseinandersetzungen. Ein wirksames, transparentes Regelungs- und Abgabensystem soll sich am Verkehrswert orientieren, das heißt, dass teure Luxusimmobilien in Bestlage auch eine sehr viel höhere Summe zahlen müssen. Einnahmen sollen in der jeweiligen Gemeinde leistbaren Wohnraum und kommunale Infrastruktur finanzieren.

Gesundheit, Pflege und soziale Sicherheit

Die Tiroler Bevölkerung wird älter, der Bedarf an medizinischer Versorgung, Pflege und Betreuung steigt von Jahr zu Jahr. Wir wollen ein solidarisches öffentliches System, das sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, nicht an zersplitterten Zuständigkeiten zwischen Bund, Land, Gemeinden, Sozialversicherung und Kammern. Die Reformpartnerschaft darf nicht an Begehrlichkeiten und Eitelkeiten von Ländern scheitern.

Prävention und wohnortnahe Versorgung

Tirol muss stärker in Gesundheitsförderung und Prävention investieren. Unser Ziel ist, die Zahl gesunder Lebensjahre zu erhöhen. Niederschwellige, wohnortnahe Angebote werden flächendeckend ausgebaut. Reihenuntersuchungen in Kinderkrippen und Kindergärten erkennen gesundheitliche Probleme früh. School Nurses unterstützen Kinder, Eltern und Schulen. Community Health Nurses und Acute Community Nurses werden in allen Regionen verfügbar und beim regionalen Rettungsdienst angesiedelt.

Auch die schulärztliche Versorgung muss wieder verlässlich funktionieren Schulärzt:innen werden so entlohnt, dass alle Schulen diese wichtige Leistung anbieten können. Prävention umfasst dabei körperliche und psychische Gesundheit, Suchtmittelprävention, Ernährungs- und Bewegungsangebote sowie frühe Beratung. Wer früh hilft, verbessert Lebensqualität und vermeidet später erheblich teurere Behandlungen und Pflegeleistungen.

Ein Gesundheitssystem aus Sicht der Patientinnen und Patienten

Wir schaffen qualifizierte Primärversorgungszentren und Fachärztezentren, ohne bestehende und gut funktionierende Strukturen zu benachteiligen. Ärztliche Zusammenarbeit wird liberalisiert, damit Ordinationen Personal, Räume und Leistungen flexibler teilen können. Das Bereitschaftsdienstsystem wird unter Einbindung aller niedergelassenen Ärzt:innen reformiert. Aufgaben der Sprengelärzte werden in das ärztliche Notdienstsystem integriert. Das entlastet Gemeinden und verbessert die Versorgung.

Bestehende Strukturen des solidarischen Gesundheitssystems erhalten verlässliche strukturelle Unterstützung. Der freie und sichere Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen muss auch in öffentlichen Krankenhäusern weiterhin und langfristig gewährleistet sein. Medizinische Versorgung darf weder vom Wohnort noch von persönlichen Beziehungen oder finanziellen Möglichkeiten abhängen.

Im Rettungswesen schafft eine gemeinsame Steuerungsgruppe klare Verantwortung. Eine Leitstelle mit der Übersicht über alle zur Verfügung stehende Ressourcen hilft Synergien zu nutzen und kosteneffizient zu arbeiten. Eine Liberalisierung des Transportwesens schafft die Möglichkeit einer bedarfsgerechten Bereitstellung von Transporten und gleichzeitig eine Entlastung des qualifizierten Krankentransports und des Rettungsdienstes.

Pflegeberufe stärken und Versorgung sichern

Das Tiroler Heim- und Pflegeleistungsgesetz wird umfassend überarbeitet. Personalschlüssel und Rahmendienstpläne müssen der tatsächlichen Belastung entsprechen. Pflegefachassistent:innen dürfen nicht dauerhaft Aufgaben übernehmen, die außerhalb ihres vorgesehenen Bereichs liegen. Eine am Skill- und Grade-Mix orientierte Dienstplanung unterstützt, durch verantwortungsvoll eingesetzte künstliche Intelligenz, verteilt Kompetenzen sinnvoller und verbessert die Qualität. Jede Kompetenzerweiterung für Heimhilfe, Pflegeassistenz, Pflegefachassistenz oder diplomierte Gesundheits- und Krankenpflege muss mit entsprechender Entlohnung verbunden sein.

Dienstplansicherheit schaffen wir durch Flexipools in allen Pflegeeinrichtungen und ein professionelles Ausfallsmanagement. Pflegepersonal aus der Praxis wird vor Entscheidungen verbindlich eingebunden. Die Aufgaben der Pflegefachassistenz werden aufgewertet, Fachkarrieren wie Advanced Practice Nurses ermöglicht und Führungskräfte in Pflegeeinrichtungen bestmöglich qualifiziert.

Stationäre Pflegeplätze werden ausgebaut, da die Gesellschaft immer älter wird und der Bedarf massiv steigen wird. Ehrenamtsstrukturen, Tagespflege in Gemeinden und neue Berufsfelder ergänzen die professionelle Pflege, gerade weil Einzelhaushalte zunehmen und familiäre Unterstützung nicht überall verfügbar ist.
Auch für junge Menschen mit komplexen Behinderungen schaffen wir mehr stationäre Wohn- und Pflegeplätze. Gemeinden werden bei der Trägerschaft unterstützt, wenn geeignete Wohnungen bereits vorhanden sind. Persönliche Assistenz wird ausgebaut, damit Menschen mit Behinderungen selbstbestimmter leben können. Behindertenhilfe und Teilhabe erhalten eine verlässliche Finanzierung. Die bestehenden Leistungsansprüche des Tiroler Teilhabegesetzes dürfen nicht zulasten der Betroffenen eingeschränkt werden.

Ein Sozialstaat, der treffsicher hilft

Die Mindestsicherung wird fair und treffsicher gestaltet und an bundesweite Regelungen angepasst. Wo es sinnvoll ist, sollen Sozialleistungen auch als Sachleistungen gewährt werden. Es muss dafür gesorgt werden, dass diejenigen, die Hilfe wirklich brauchen, tatsächlich eine bekommen. Die Mindestsicherung darf aber keine Dauerlösung sein und muss so geregelt werden, dass Menschen diese nicht dauerhaft in Anspruch nehmen.

Eine einzige zentrale Stelle soll Behindertenberatung, Familienleistungen und weitere soziale Hilfen bündeln, statt unnötige Behördenwege zu produzieren. Sozialvereine erhalten mehrjährige Verträge statt jährlicher Bittgänge. Kinder- und Jugendhilfe wird abgesichert und ausgebaut, nicht gekürzt.

Wir stärken Gewaltschutzeinrichtungen und schaffen Hilfsprogramme für junge Intensivtäter. Schuldnerberatung, Kinderarmutsprävention und Suchtmittelprävention werden ausreichend finanziert. Housing First, sozialpädagogische Wohnformen für Jugendliche und ausreichend qualifiziertes Personal in Einrichtungen für obdachlose Menschen verhindern, dass Krisen zu dauerhafter Ausgrenzung werden. Hilfe soll früh, verlässlich und ohne unnötige Hürden bei denen ankommen, die sie wirklich brauchen.

Asylwerber:innen sollen verpflichtet werden können, gemeinnützige Tätigkeiten zu übernehmen. Dies wirkt sich nicht nur positiv auf die Integration, sondern erhöht gleichzeitig die Akzeptanz gegenüber dieser Gruppe innerhalb der Bevölkerung.

Natur schützen, Energie vernünftig sichern

Tirols Natur- und Kulturlandschaft ist Lebensraum und wirtschaftliche Grundlage zugleich. Nachhaltige Umweltpolitik verbindet ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Vernunft. Wir unterstützen das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 und setzen dabei auf Realismus, Technologieoffenheit, Versorgungssicherheit und transparente Entscheidungen.

Erneuerbare Energie und starke Netze

Der Strombedarf steigt durch Digitalisierung, Elektromobilität und Wärmewende kontinuierlich an. Tirol braucht deshalb einen Mix aus allen erneuerbaren Energien, ohne ideologische Einteilung in vermeintlich gute und schlechte Technologien. Die Energieautonomie wird nur erreicht werden können, wenn konsequent alle Energiequellen genutzt werden. Wasserkraft bleibt eine zentrale Säule. Der Ausbau des Kaunertalkraftwerks ist unter Einhaltung sämtlicher behördlicher Auflagen möglich. Windkraftanlagen sollen dort entstehen, wo sie sinnvoll und wirkungsvoll sind, etwa an geeigneten, bereits erschlossenen Standorten in Skigebieten. Die Photovoltaik muss verstärkt forciert werden. Sowohl auf öffentlichen Gebäuden als auch über bereits versiegelten Flächen, wie Parkplätzen, müssen Anlagen errichtet werden. Großakkus und andere Speicher ergänzen das System. Bei der Umsetzung dieser Projekte muss immer die betroffene Bevölkerung von Anfang an miteingebunden werden und mit ihr auf Augenhöhe kommuniziert werden.

Der überregionale Ausbau der Stromnetze ist Voraussetzung für Versorgungssicherheit und die Integration neuer Erzeugungsanlagen. Gleichzeitig stärken wir die Eigenverantwortung der Kund:innen durch verständliche Tarife, mehr Transparenz und echten Wettbewerb beim Anbieterwechsel. Energiepolitik darf nicht nur Ausbauziele verkünden, sondern muss Netze, Speicher, Genehmigungen und Leistbarkeit gemeinsam denken.

Die TIWAG in öffentlicher Verantwortung

Die TIWAG spielt als landeseigener Energieversorger eine Schlüsselrolle auf dem Weg zur Energieautonomie. Ihr Auftrag ist nicht nur, die Energiewende voranzutreiben, sondern die Tiroler Bevölkerung verlässlich mit günstigem Strom zu versorgen. Dafür braucht es ein modernes Governance-Modell, transparente Entscheidungen und klare Verantwortung von Vorstand, Aufsichtsrat und Eigentümer Land Tirol. Großprojekte werden ehrlich, frühzeitig und auf Augenhöhe mit der Bevölkerung kommuniziert.

Gewinne und Dividenden der TIWAG sollen langfristig gesellschaftlich relevante Projekte finanzieren, etwa den Ausbau der Kinderbetreuung, statt kurzfristig zur Stopfung allgemeiner Budgetlöcher verwendet zu werden. Als öffentliches Unternehmen soll die TIWAG mit innovativen Energieprojekten vorangehen und zeigen, wie Versorgungssicherheit, Klimaschutz und wirtschaftliche Effizienz zusammenpassen.

Ein Staat mit Vorbildwirkung und Schutz vor Klimafolgen

Das Land muss beim Umweltschutz selbst vorangehen. Photovoltaikanlagen werden auf allen geeigneten öffentlichen Gebäuden ausgebaut, neue Landesgebäude konsequent energieeffizient geplant und die öffentliche E-Ladeinfrastruktur erweitert. Eine radikal digitalisierte Landesverwaltung reduziert Papierverbrauch, Wege und Ressourcen.

Tirol allein kann den Klimawandel nicht stoppen, muss sich aber auf seine Folgen vorbereiten. Hochwasserschutz wird konsequent ausgebaut, öffentliche Plätze und Gebäude werden durch Begrünung hitzefester.

Landwirtschaft als Unternehmertum

Die Tiroler Landwirtschaft prägt Kulturlandschaft, regionale Versorgung und Tourismus. Bäuer:innen sind Unternehmerinnen und Unternehmer und sollen nicht dauerhaft von Förderungen abhängig gemacht werden. Sie brauchen verlässliche Regeln, unternehmerische Freiheiten und gezielte Unterstützung bei Vermarktung, Logistik und Bürokratieabbau. Schutzwälder werden konsequent aufgeforstet und ihre Vielfalt gestärkt. Auf bewirtschafteten Tiroler Almen muss der Schutz von Nutztieren und Landwirtschaft Vorrang haben. Der Wolf und andere große Beutegreifer haben in Tirol keinen Platz und müssen unkompliziert entnommen werden können.

Mobilität ausbauen, Bevölkerung vor Transit schützen

Transitbelastung wirksam reduzieren

Ganz Tirol leidet seit Jahren unter wachsendem Transit. Unser Ziel muss in erster Linie sein, den Umwegtransit zu bekämpfen. Abfahrverbote, Lkw-Nacht- und Feiertagsfahrverbote sowie das sektorale Fahrverbot bleiben wichtige Instrumente. Weil ihre Wirkung allein nicht ausreicht und europarechtliche Risiken bestehen, ergänzen wir sie durch baulichen Gesundheitsschutz. Moderne Lärmschutzwände entstehen entlang von Autobahnen, Landesstraßen und Bahnstrecke, besonders belastete Zonen werden eingehaust. Diese Maßnahmen werden durch zweckgebundene Mauteinnahmen finanziert. Auch alternative Trassenführungen für die Brennerautobahn dürfen kein Tabuthema sein.

Mautstellen entlang der Brennerautobahn werden zurückgebaut und vollständig digitalisiert. Die Kontrolle von Abfahrtsverboten erfolgt digital und effizient. Das Dieselprivileg wird abgeschafft, die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene konsequent vorangetrieben und der Brennerzulauf gemeinsam mit Bayern ausgebaut. Tirol wird das Transitproblem nicht im Alleingang lösen. Es braucht nationale und europäische Zusammenarbeit und Verhandlungen mit unseren Nachbarn, ansonten stehen wir alleine auf weiter Flur. Wir benötigen Kooperation mit Europa statt Konfrontation mit unseren Nachbarländern.

Fernpass: Entscheidungen mit der Bevölkerung

Das beschlossene Fernpasspaket wird von großen Teilen der Bevölkerung nicht mitgetragen. Wir fordern daher einen sofortigen Stopp der Baumaßnahmen, eine unabhängige Prüfung der Auswirkungen auf das 7,5-Tonnen-Fahrverbot und eine bindende Volksbefragung. Auf lange Sicht ist eine große Tunnellösung im Bereich Gartnerwand die zukunftsfitteste Lösung.

Alltagsmobilität in allen Regionen

Der öffentliche Verkehr wird besonders im ländlichen Raum konsequent ausgebaut. Mobilitäts-Hubs bündeln Bahn, Bus, Carsharing, E-Scooter und Fahrräder an gemeinsamen Knoten. Nightliner-Verbindungen ermöglichen jungen Menschen sichere Mobilität auch in der Freizeit. Das Radwegenetz wird modernisiert und besser mit europäischen Radrouten verbunden. E-Ladekapazitäten wachsen bedarfsgerecht in ganz Tirol. Innovative Lösungen wie Stadtseilbahnen werden dort umgesetzt, wo sie bestehende Systeme sinnvoll ergänzen und einen echten Verkehrsnutzen bringen.

Sport, Vereine und Kultur

Tirol lebt von Vereinen, Ehrenamt und einer vielfältigen Sportlandschaft. Das Tiroler Veranstaltungsgesetz wird entbürokratisiert, damit Veranstaltungen und Vereinsfeste leichter durchführbar sind. Sportförderungen erhalten klare, nachvollziehbare Richtlinien und messbare Ziele. Wir investieren in nachhaltige Infrastruktur statt in einzelne Prestigeprojekte und öffnen Schulsportstätten auch außerhalb der Unterrichtszeiten für Vereine und Bevölkerung.

Der Bädertopf braucht eine klare Strategie statt eines reinen ‚First-come-first-serve-Prinzips‘ und soll auch für Freischwimmbäder zugänglich gemacht werden. Gemeindekooperationen und regionale Zusammenarbeit zwischen Vereinen vermeiden teure Doppelstrukturen, ohne gewachsene Identitäten zu zerstören. Förderungen sollen Zusammenarbeit belohnen und den Zugang zu Sport für Kinder, Familien und ältere Menschen sichern.

In der Kultur schaffen wir eine faire Balance zwischen Hochkultur, regionalen Einrichtungen, freier Szene, Subkultur und Klubkultur. Förderungen werden transparent vergeben und durch mehrjährige Verträge planbar. Das Veranstaltungsgesetz wird auch für Kulturvereine vereinfacht.

Leerstehende Gewerbeflächen können vorübergehend als Orte für Ateliers, Proberäume, Clubs und Subkultur genutzt werden und zugleich Ortskerne beleben.

Generationen verbinden und Familien entlasten

Jugend stärken und Freiräume schaffen

Junge Menschen brauchen Perspektiven, Freiräume und echte Mitbestimmung. Wir setzen uns für ein bundesweit einheitliches Jugendgesetz ein, das Prävention stärker gewichtet als Strafen. Das Tiroler Veranstaltungsgesetz wird so reformiert, dass junge Menschen leichter eigene Veranstaltungen organisieren können. Eine Beratungsstelle unterstützt sie bei Bewilligungen, Sicherheit und Finanzierung. Jugendzentren, konsumfreie Räume und begrünte Aufenthaltsorte werden ausgebaut. Clubkultur und Nightlife sind Teil eines lebendigen Tirols und verdienen verlässliche Rahmenbedingungen, die den Bedürfnissen der jungen Generation gerecht werden.

Frauentaxis werden ausgeweitet, um sichere Heimwege zu ermöglichen. Flächendeckendes WLAN ist ein zentraler Baustein moderner Gemeinden und Smart-City-Konzepte. Mit einem Jugendlandtag schaffen wir ein echtes Mitbestimmungsformat, in dem junge Menschen nicht nur symbolisch angehört werden, sondern konkrete Vorschläge in die Landespolitik einbringen.

Würdevolles Altern und digitale Teilhabe

In einer immer digitaler werdenden Gesellschaft brauchen ältere Menschen oft mehr Zeit, um sich zurecht zu finden. Computerias und vergleichbare Bildungsorte werden flächendeckend ausgebaut und Teil einer Bildungs- und Digitalisierungsoffensive für die Generation 50+. Ältere Menschen sollen digitale Behördenwege, Kommunikation und Sicherheitsfragen selbstbewusst bewältigen können. Barrierefreier öffentlicher Verkehr und soziale Projekte gegen Einsamkeit sichern Mobilität und Teilhabe in allen Regionen.

Familien in ihrer Vielfalt unterstützen

Familien sind das Fundament einer funktionierenden Gesellschaft - unabhängig davon, ob sie dem klassischen Vater-Mutter-Kind-Modell entsprechen. Flächendeckende und qualitätsvolle Kinderbetreuung gibt Eltern echte Wahlfreiheit und ist die wichtigste Entlastung im Alltag. Schulstarthilfe wird gezielt als Sachleistung gewährt, damit Unterstützung bei den Kindern ankommt. Erziehungsberatung wird ausgebaut, leistbare Schwimm- und Skikurse sowie faire Einheimischentarife ermöglichen gemeinsame Freizeit.

Unser Versprechen

Wir NEOS werden Tirol nicht verwalten, wie es immer verwaltet wurde. Wir werden Chancen bieten und durch mutige und neue Wege den Tirolerinnen und Tirolern ein selbstbestimmtes Leben mit Eigenverantwortung ermöglichen. Ein starkes Bildungsland, ein transparenter Staat und eine freie, innovative Wirtschaft sind die Grundlage für sozialen Zusammenhalt, leistbares Leben und eine Zukunft für alle.

Unser Ziel ist ein Tirol, das Kindern Flügel verleiht, Familien Sicherheit gibt und Leistung ermöglicht. Ein Tirol, in dem öffentliche Institutionen das Vertrauen der Menschen durch Transparenz verdienen, Politik mit Anstand betrieben wird, Betriebe ihre Ideen verwirklichen können und Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Wir setzen auf Mut zu Reformen, Respekt vor Eigenverantwortung und den festen Glauben daran, dass Tirol mehr kann.

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