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Zeit für Mut, Innovation und Freiheitsliebe nach #nizza

18.07.2016 patrickberger

Diese drei Werte werden durch die Anschläge in Nizza erneut auf die Probe gestellt. Diese furchtbare Nachricht bläst leider erneut Wind in die Segel der rechtsnationalistischen Meinungsträger und Machtstrebenden. In unseren unsicheren Zeiten ist sogar schon der Begriff „Gutmensch“ zu einer Verunglimpfung verkommen. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Seit der griechischen Philosophie der Antike oder zumindest seit der Aufklärung sollten wir uns neben allem anderen auch als Teil und Menschen dieser Welt und nicht nur einzelner Nationalstaaten sehen.

 

Trotzdem wollen Ideen der Abschottung nicht verstummen und die Wünsche nach Grenzen lassen sich nicht niederreißen. Wenn man sich eingesteht auch Teil dieser Welt zu sein, dann geht damit nicht nur das Recht an paradiesischen Sandstränden und exotischer Natur in den entferntesten Winkeln des Planeten einher. Zusammen mit dieser Überzeugung muss auch Verantwortung übernommen werden. In Bezug auf die Natur scheint uns diese globale Verantwortung verständlich und begreiflich. Doch wenn es um andere Menschen geht, scheint uns die internationale Verantwortung intuitiv zu anstrengend. Es ist natürlich leichter sich abzuschotten, vor den Problemen mit Grenzen und Zäunen davon zu laufen und so der nächsten Generation die gefährlichen Fragen und Lösungen zu überlassen. Das ist der einfache, aber bestimmt nicht der mutige Weg.

 

Mutig wäre es hingegen, uns heute schon den schweren Problemen der Finanzkrisen, der Migration und des Terrors zu stellen. Mit diesem Mut könnten wir eine bessere Welt für die nächste Generation schaffen und mit genau diesem Mut ging die Nachkriegsgeneration an ihre vorhandenen Probleme heran, um unseren heutigen Wohlstand zu erschaffen. Es erscheint natürlich als ob in unserer globalisierten Welt die Probleme etwas komplexer sind, als in den 50iger Jahren. Aber an dieser Stelle braucht es den Innovationsgeist – und schulden wir der nächsten Generation nicht nur gesunde Wälder und saubere Luft, sondern die Innovationen und den Mut aus dieser Welt einen besseren Ort zu machen?

 

An dieser Stelle kommen wir zu den furchtbaren und feigen Anschlägen von Nizza. Angst und Verunsicherung sind verständliche Reaktionen, aber wenn diese Furcht nur mehr Kontrollen, mehr Überwachung und Abschottung erzeugt, dann betrügen wir unsere Freiheitsliebe. Das hat uns schon die jüngste Geschichte nach 9/11 gezeigt. Abschottung führt nur zu noch mehr Gewalt und noch mehr Unsicherheit – das hat uns unsere gesamte Menschheitsgeschichte gezeigt. Wir müssen natürlich radikale Fanatiker stoppen und müssen uns die teilweise unangenehmen Fragen der Integration stellen. Aber wäre es nicht viel innovativer, wenn wir den steinigen Pfad zum Gipfelkreuz antreten und nicht nur auf halbem Weg auf der Berghütte namens “Zaun“ einkehren würden? Wenn wir einen Weg beschreiten, in dem es darum geht für jede_n Weltbürger_in Chancen zu eröffnen, jeder und jedem das Gefühl zu vermitteln, dass Glaubenskriege, feige Terrorattacken und Spaltungen nur Klötze am Bein sind, wenn es darum geht in die Zukunft der Menschheit zu schreiten. Das klingt gerade für mich selbst utopisch, aber sollte es nicht gerade deshalb unser Ziel sein? Das Unmögliche erreichen zu wollen, hat die Wissenschaft und Technik über viele unmöglich erscheinende Grenzen hinaus gebracht. In der Politik scheint uns ein Rückfall in mittelalterliche Grenzperspektiven (Stichwort Abschottung Schottland) hingegen bequemer.

 

Auf eine gewisse Weise lässt sich schon verstehen, warum wir das Gipfelkreuz, die Utopie, aus den Augen verloren haben und uns lieber müde nach dem Schnaps in der Berghütte sehnen. Die herrschende Politik erscheint uns intransparent, undurchsichtig, selbstverliebt. Es geht nicht mehr um erstrebenswerte Ideen, sondern um den Machterhalt der Machthabenden, um Vereine und die einzige Leidenschaft lässt sich bei der Definition von Feindbildern (Ungläubige, Fanatiker_innen, das Establishment, Ungebildete und und und) erkennen – als ob wir uns auf der Welt nicht so unähnlich wären, gilt das für alle Seiten!

 

Nizza sollte natürlich Trauer und Betroffenheit auslösen. Viel mehr noch sollte uns Nizza jedoch die wichtigen Ideale verdeutlichen, die uns als treue Begleiter erst in die Moderne, mit höherer Lebenserwartung, weniger Armut und höherer Lebensqualität als jemals in der Menschheitsgeschichte, geführt haben. Diese Werte nehmen nämlich machtversessenen Rechtspopulisten und Hasspredigern den Wind aus den Segeln und mit diesen Werten verhindern wir Tragödien wie Nizza wieder nachhaltig. Wir sollten mit viel Mut neue innovative Wege gehen, damit auch zukünftige Generationen noch wissen was Freiheitsliebe bedeutet!