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Weg mit den Zäunen im Kopf!

15.02.2016 Florian Kahn

Wir bauen also einen Zaun am Brenner. Auch wenn die Bezeichnungen dafür oft kreativ verdreht werden – es läuft auf einen Zaun hinaus! Nun ist der Brenner für uns in Tirol mehr als nur ein Pass, er ist die Verbindung zwischen Nord- und Südtirol. Die turbulente Geschichte, die Tirol bis heute verbindet, sollte uns eines gelehrt haben: Nur miteinander lassen sich Probleme lösen!

Ein Zaun ist ein Symbol, ein sehr starkes noch dazu. Lange haben Menschen auf beiden Seiten des Brenners dafür gekämpft, dass dort kein Zaun mehr steht. Und nun wollen wir dort wieder einen aufstellen? Ein symbolischer Akt mit womöglich weitreichenden Folgen.

Die österreichische Bundesregierung hat sich mittlerweile aufgegeben und sie ist drauf und dran auch die Idee der Europäische Union aufzugeben. In Tirol müssen wir unsere Verantwortung wahrnehmen und nicht zuschauen. Wir dürfen nicht zuschauen, wie die Errungenschaften einer gemeinsamen europäischen Politik von überforderten und ratlosen Bundesregierungen zu Grabe getragen werden. Wir dürfen nicht zuschauen, wie auch die gemeinsamen Errungenschaften von Nordtirol, Südtirol und dem Trentino zu Grunde gehen. Die Euregio muss mehr sein als eine Selbsthilfegruppe zur gemeinsamen Geschichtsbewältigung. Die Euregio muss zum Vorbild für die gesamte EU werden!

Die Zeit war nie besser, um zu beweisen, dass ein Miteinander  die beste Lösung ist. Die Flüchtlingskrise bietet die Möglichkeit zu zeigen, dass gemeinsame Solidarität die Antwort ist und nicht das Abschotten und dumpfer Populismus. Ein gemeinsamer Flüchtlingsgipfel der Euregio kann Lösungen zu Tage bringen, die ohne ein weiteres Symbol der Trennung auskommen:

  • Ein gemeinsames Bekenntnis, Menschen in Not zu helfen, über Staatsgrenzen hinaus
  • Ein gemeinsames Flüchtlings-Management, das effektiv und humanitär die Herausforderungen meistert
  • Die Bündelung der vorhanden Ressourcen, im Bereich der Flüchtlingsversorgung und damit die Steigerung der Effektivität
  • Zielgerichteter und gemeinsamer Einsatz von Ehrenamtlichen
  • Gemeinsame Konzepte zur Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt
  • Eine gemeinsame Strategie zur Unterstützung in den Krisenregionen

Die Tiroler Landesregierung muss die Verantwortung, die aus der gemeinsamen Geschichte besteht, erkennen und wahrnehmen. Es geht um die Zukunft der Menschen in  Europa. Die Europaregion Tirol kann und muss ein Vorbild sein für ganz Europa.

Dafür muss aber zuerst eines weg: Die Zäune im Kopf manch handelnder Personen, besonders nördlich des Brenners.