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Von Öffis, Preisen und Budgetlöchern

Vor Kurzem machte es die Runde: die IVB hebt per 1. Februar 2017 die Ticketpreise empfindlich an. Begründet wird die Tariferhöhung mit gestiegenen Lohnkosten. Eine komfortable Situation, in der sich öffentliche Unternehmen befinden: wenn die Kosten steigen, heben sie einfach die Preise – Sache geritzt.

 

Dass das in der Privatwirtschaft so niemals funktionieren würde, liegt auf der Hand. Dass man ein öffentliches Unternehmen mit Versorgungsauftrag nicht 1:1 mit einem Unternehmen der Privatwirtschaft vergleichen kann, liegt auch auf der Hand. Gleichzeitig wünschen sich die Bürger_innen für den öffentlichen Bereich endlich das, was in Zeiten von knappen Budgets für Private längst selbstverständlich ist: nämlich ausgabenseitig zu sparen statt reflexhaft Steuern, Abgaben oder eben Tarife zu erhöhen. Die eigenen Kosten scheinen jedoch Tabu, mit größter Selbstverständlichkeit werden Budgetlöcher damit gestopft, dass die Bürger_innen zur Kasse gebeten werden.

 

Dabei lässt sich für die IVB ein großes Einsparungspotenzial vermuten. Denn der Vergleich macht sicher: Während die Wiener Linien in Summe 1.147,9 km öffentliches Verkehrsnetz für einen Jahreskartenpreis von 365 Euro zur Verfügung stellen, bieten die Innsbrucker Verkehrsbetriebe (inkl. Stubaitalbahn!) 341 km um 330 Euro, lt. Plan der Stadtregierung ab 1. Februar 2017 um 350 Euro, ab 2019 um 365 Euro. In Wien ergibt sich so ein Kilometerpreis von 0,32 Euro, in Innsbruck aktuell von 0,97 Euro (= 303 % Kilometerpreis Wien), bis 2019 steigt er auf 1,07 Euro (= 334 % Kilometerpreis Wien). Dabei sind die längeren Betriebszeiten und höheren Taktungen der Wiener Linien sowie die weitaus höheren Investitionskosten für U-Bahnen noch gar nicht berücksichtigt.

öffi-preise

Die Zahlen bestätigen eindrucksvoll, worüber sich viele beschweren: Öffi Fahren in Innsbruck ist viel zu teuer. Eine durchdachte Verkehrspolitik sieht anders aus. Denn den Individualverkehr zurückzudrängen zu versuchen, nicht zuletzt mit Hilfe der aktuellen Parkraumbewirtschaftung, aber auf der anderen Seite keine Alternativen in Form eines gut ausgebauten und leistbaren öffentlichen Verkehrsnetzes zu schaffen, ist ganz sicher kein Zeichen für strategisches Handeln. Die angeblich hohe Priorität des öffentlichen Verkehrs mutiert mehr und mehr zum Lippenbekenntnis. Dass sich die Innsbrucker_innen angesichts der Tariferhöhung zudem geschröpft fühlen, ist nur allzu verständlich.