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Unsere Zeit braucht Lösungen – Hier sind Vorschläge!

19.07.2016 patrickberger

Im letzten Beitrag und noch unter dem Schock von Nizza stehend, sprach ich von innovativen Lösungen. Nach dem Putschversuch in der Türkei, der uns gleich am nächsten Tag schockiert hat, stimmt dies umso mehr. Ich will nun niemandem potentielle, aber auch mutige und innovative Lösungsansätze schuldig bleiben.

 

1. Religion verstehen 

Ich sehe mich selbst als überzeugten Atheisten oder vielleicht doch Agnostiker. Dafür sehe ich zwei Gründe. Zum einen denke ich nicht, dass ein Wesen, welches die Macht besitzt dieses wunderbare Universum mit unserem wunderbaren Planeten Erde zu erschaffen, sich darum schert, ob ich am Sonntag die Messe besuche. Zweitens sprengte die kreationistische Bewegung (die Welt existiert erst seit 6000 Jahren etc.) derart meinen Horizont der Vernunft, dass ich mit Trotz reagierte. ABER (und dieses aber muss GROSS sein) ich verstehe den ursprünglichen und aktuellen Zweck der Religion. Wenn wir jeden Ballast ausklammern, möchte uns die Religion nur zu zeigen, wie wir ein erfülltes und konstruktives Leben führen können. Das ist ein ehrenwertes Bestreben.

Der Ballast entsteht durch die falsche Instrumentalisierung dieses Bestrebens. Wunderheiler reden von göttlicher Vorsehung nur um ihre Taschen zu füllen. Andere rufen heilige Kriege aus, nur um Machtpositionen zu erlangen und zu sichern. Diese Pervertierungen müssen aufgedeckt werden.

Mit Erzbischof Schönborn haben wir in Österreich einen der weisesten Kirchenoberhäupter überhaupt und die katholische Kirche hat bereits Verfehlungen ihrerseits eingestanden. Ein Schulterschluss mit dieser moralischen Instanz könnte dazu beitragen auch Anhänger des muslimischen Glaubens über falsche Interpretationen von falschen Propheten aufzuklären. Irgendetwas scheint ja bei den Wegweisern, die der islamische Staat für ein besseres Leben gibt, nicht zu stimmen. Andere Muslime kämpfen gegen Muslime, die für den islamischen Staat kämpfen und weitere Millionen Muslime fliehen vor dieser Art der Lebensführung. Eine Auslegung der Religion hat hier eindeutig versagt und führt nicht zu einem besseren und konstruktivem Leben. Die österreichischen, aufgeklärten Kirchenvertreter könnten aufzeigen, dass sich auch Hassprediger irren können. Das wäre ein mutiger und innovativer Weg selbst verschiedene Religionen hier in Österreich unter dem Banner der Freiheitsliebe zu vereinen – letztlich wollen auch verschiedene Religionen nur den Weg zu einem besseren Leben bereiten und wenn die Vernunft dabei nicht außer Acht gelassen wird, dann sind sich die unterschiedlichen Glaubensrichtungen in fast allen Punkten einig.

PS.: Entlang dieses Lösungsweges würden vielleicht sogar Aufmärsche für Erdogan etwas weniger bedrohlich ausfallen!

 

2. Geschichte verstehen

Mittlerweile bedienen sich viele Parteien einer ungeschminkten Kriegsrhetorik und viele Bürger_innen in Österreich wirken kriegswillig. Manche beweisen dies sogar, indem sie nach Syrien in den Krieg ziehen. Diese Situation erinnert mich an die Lage vor dem ersten Weltkrieg und an „Apologie der Geschichtswissenschaft“ von Marc Bloch. Apologie steht hier für die Verteidigung, warum es Geschichtswissenschaft überhaupt geben sollte oder muss. Bei diesem Buch handelt es sich um eine Pflichtlektüre für Erstsemester im Fach Geschichte an der Uni Wien. Darin wird festgehalten, dass Geschichte nicht nur feststellen darf was geschehen ist, sondern viel mehr ständig Parallelen zu aktuellen Entwicklungen ziehen muss. Wir sollten also zusammen mit Geschichtsprofessoren und Geschichtsstudenten die Parallelen zur Lage vor dem ersten Weltkrieg aufzeigen. Aufmärsche für Erdogan, die Rhetorik vieler Parteien und die ungeschminkten Feindbilder sind nämlich unübersehbar und wohin diese Stimmung uns schon einmal geführt hat, ist in den Geschichtsbüchern belegt. Diesen Weg einzuschlagen wäre nicht nur mutig und innovativ, sondern würde auch der Geschichtswissenschaft die größte  Apologie, sprich Existenzberechtigung, seit langer Zeit bescheren.

 

3. Werte verstehen

Diese Lösungsansätze sind von Aufklärung und Wissen geprägt. Aber genau das sind die Werte, die uns in unsere moderne Welt geführt haben. Wegen dieser Werte strömen die Flüchtlinge nach Europa und nicht nach Afrika. Wegen dieser Werte kennt eine junge Generation die Schrecken des Krieges höchstens noch aus Dokumentationen und wegen dem Vergessen streben sie teilweise sogar danach. Wegen dieser Werte können wir immer öfter den 90. oder sogar 100. Geburtstag eines gesunden Familienmitglieds feiern. Wegen dieser Werte darf ich hier schreiben was mir vernünftig erscheint. Dieser Werte müssen wir uns noch viel stärker, gerade angesichts der aktuellen Situation, besinnen. Letztlich bleibt einem vernünftigen Menschen nämlich nur diese Waffe gegen Hass, Gewalt, Abgrenzung, Korruption und Verhetzung!