Perspektivenwechsel im Tiroler Tourismus

Tirol ist Tourismusweltmeister: jährlich 50 Millionen Nächtigungen, 12 Millionen Gäste, am Markt hervorragend positionierte Destinationen, stark im Sommer wie im Winter, alpin wie auch urban. Der Tiroler Tourismus boomt und hat sich in den vergangenen Jahren als Wirtschafts- und Wohlstandsfaktor bewährt. Mehr als 55.000 Beschäftigte arbeiten im Tiroler Tourismus. Jeder dritte Euro wird direkt oder indirekt im Tourismus verdient. Seit über 100 Jahren leben viele Tirolerinnen und Tiroler von und mit dem Tourismus.

Trotzdem nimmt die Zustimmung zum Tourismus in der Bevölkerung ab. Neue Nächtigungsrekorde können nicht darüber hinweg täuschen, dass immer mehr Menschen das subjektive Gefühl haben, zu wenig vom Tourismus im eigenen Land zu profitieren. Sie fühlen sich sogar von diesem Tourismus im eigenen Lebens- und Erholungsraum überrollt, gestört und belästigt. Dazu kommt großes Misstrauen, das dem Tourismus vor allem in Hinblick auf vermeintliche Umweltzerstörung, Verschmutzung und zusätzliche Verkehrsbelastung von immer mehr Menschen entgegen gebracht wird.

Tirol fehlt eine tourismuspolitische Vision. Daran haben auch Strategiepapiere wie „Der Tiroler Weg 2021“, 2015 herausgegeben von Land Tirol, Tirol Werbung, Wirtschaftskammer und dem Verband der Tiroler Tourismusverbände nichts geändert. Die von der Politik geschaffenen Strukturen sind zwar historisch gewachsen, aber starr, intransparent, undemokratisch und geben wenig Antworten auf aktuelle Entwicklungen, Probleme und zukünftige Herausforderungen.

Die Tiroler Bevölkerung steht vor vielen noch unbeantworteten Fragen:

- Wie reagieren wir auf den Klimawandel?

- Wie machen wir den Tiroler Tourismus ökologisch und ökonomisch nachhaltiger?

- Wie gehen wir mit der durch den Tourismus erhöhten Verkehrsbelastung um?

- Wie schaffen wir höhere volkswirtschaftliche Wertschöpfung?

- Wie können künftig wieder mehr Menschen in Tirol direkt vom Tourismus profitieren?

- In welchen Regionen braucht es touristisches Wachstum und wo sind wir mit Massentourismus konfrontiert und müssen Grenzen setzen?

- Welchen Einfluss hat der Tourismus auf die Verkehrsentwicklung nach und in Tirol?

- Wie stellen wir die Strukturen im Tourismus transparent und zukunftsfähig auf?

- Wie gehen wir mit Tourismusabgaben und Förderungen um?

- Wie kann Mitbestimmung bei touristischen Großprojekten ermöglicht werden?

- Wie und wo entwickeln wir touristische Infrastruktur?

- Wohin entwickeln sich unsere Skigebiete?

Wir NEOS stellen mit diesem Papier eine klare Vision und einen 10-Punkte Plan für den Tiroler Tourismus vor.

Unsere Vision

Der Tourismus ist für die Menschen da. Ein ökologisch verträglicher Tourismus sorgt für ausreichend vorhandene Beschäftigung, nachhaltigen und breiten Wohlstand, Chancengerechtigkeit für Entfaltung von Potentialen und unternehmerische Zukunftsperspektiven im gesamten Land. Wachstum wird nicht rein quantitativ gesehen. Die volkswirtschaftliche Wertschöpfung des Tourismus ist weiter gestiegen. Tirol setzt auf Qualitätstourismus, wozu vor allem kleinstrukturierte Beherbergungsbetriebe beitragen. Die Menschen haben Vertrauen in den Tourismus. Es herrscht touristische Gestaltungsfreude statt Zukunftsangst.

Die touristischen Ströme verteilen sich ausgewogen über das Land. Authentizität und Regionalität bestimmen die touristische Entwicklung und Qualität. Die Zusammenarbeit zwischen Tourismus und Landwirtschaft funktioniert perfekt. Unsere ökologischen Standards haben Tirol für eine immer umweltsensiblere Gästeschicht und Bevölkerung attraktiv gemacht. Breite Bevölkerungsschichten sehen den Tourismus nicht mehr skeptisch, sondern profitieren in vielfältiger Weise davon.

Tirol bleibt ein attraktiver Tourismusstandort und hat sich zu einer Ganzjahresdestination entwickelt. Dies spiegelt sich vor allem in der Beschäftigungsstruktur wider.  

Die Standortagentur, die Tirol Werbung, die Agrarmarketing und der Verkehrsverbund Tirol wurden unter dem Dach der Lebensraum Tirol Holding zusammengeführt. Damit wurden Ressourcen gebündelt und ein effizienter und sparsamer Einsatz von Mitteln garantiert. Die Holding vernetzt Leistungsträger beim Thema Verkehr, liefert innovative Mobilitätskonzepte und beschäftigt sich mit dem Vertrieb und der Bewerbung der Marke Tirol. Durch die neu entstandenen Synergien steht mehr Geld für Verkehrslösungen und Marketing zur Verfügung. Marketingaktivitäten konzentrieren sich verstärkt auf europäische Märkte und führen zur Entzerrung der Tourismusströme.

Die vom Tourismus mitverursachten Verkehrsprobleme der Vergangenheit wurden als Chance begriffen. Neue schnelle, innovative und unkomplizierte Bus- und Zugverbindungen sorgen dafür, dass ein Großteil der Gäste mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist und Tirol besser vernetzt ist als je zuvor. Zusätzlich werden Seilbahnen verstärkt als öffentliches Verkehrsmittel eingesetzt.

Die Tiroler Seilbahnwirtschaft hat sich auf den Klimawandel eingestellt. Immer mehr Seilbahnbetriebe nutzen alternative Energien und sind energieautonom geworden. Moderne und innovative Infrastruktur wird gleichermaßen von Einheimischen und Gästen genutzt. Die Bevölkerung wird in Entscheidungen und Projekte partizipativ eingebunden und transparente Strukturen schaffen Vertrauen.

Die Tourismusabgabe wurde abgeschafft, die heimische Wirtschaft entlastet. Eine Sockelfinanzierung über das Land Tirol und eine einheitliche Nächtigungsabgabe sorgt für finanzstarke Tourismusverbände in den Regionen. Diese Tourismusverbände haben sich zu echten Destinationsmanagern, Dienstleistern und Serviceeinrichtungen für alle entwickelt. Sie bilden die Basis für den aktuellen touristischen Erfolg. Gelebte Diversität hat dazu geführt, dass der Tourismus wesentlich breiter aufgestellt ist und Destinationen klarer am Markt positioniert sind. Die verschiedenen Destinationen stehen nicht mehr in Konkurrenz zueinander, sondern ergänzen das gesamttouristische Angebot Tirols.  

Das touristische Know-How wurde durch Forschung und Wissenschaft gestärkt und liefert Grundlagen für Innovation und Nachhaltigkeit. Top ausgebildete Tourismusmanagerinnen und -manager stehen der Wirtschaft zur Verfügung und sichern die weitere touristische Entwicklung in Tirol.

Tirol verfügt über ein breites und in Berufsbildungszentren gut vernetztes Angebot an touristischer Aus- und Weiterbildung. Enge Kooperationen mit verschiedenen Schulen in anderen Ländern ermöglichen internationales Lernen und eröffnen den jungen Menschen neue Chancen. Dies hat dazu geführt, dass Tirol ein attraktiver Bildungsstandort und Arbeitsplatz für die Tourismusbranche ist.

Arbeitszeitflexibilisierung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, faire Entlohnung und ein lebenswerter Wohnraum schaffen die Grundlage, dass die junge Generation verstärkt im Tiroler Tourismus Berufschancen ergreift. Dies hat dazu geführt, dass immer mehr Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit im Tourismus wagen.

 

10-Punkte-Plan für einen Richtungswechsel im Tiroler Tourismus

1. Die Interessen der Tiroler Bevölkerung stärken

Unbestritten hat die touristische Entwicklung in Tirol breite Abwanderung in ländlichen Regionen verhindert. Ein Blick ins benachbarte Kärnten zeigt, dass Abwanderung im ländlichen Raum zu einer großen Herausforderung werden kann. Das Beispiel Kärnten beweist, dass sinkende Nächtigungszahlen und stagnierende Investitionen in die touristische Infrastruktur Abwanderung beschleunigt. Deshalb kämpft Kärnten in den ländlichen Regionen auch mit einer Überalterung der dortigen Bevölkerung. Vor derartigen Entwicklungen ist Tirol nicht gefeit. Darum muss einem solchen Szenario entgegen gewirkt werden.

In den Tiroler Seitentälern gibt es wenige Alternativen für wirtschaftlichen Erfolg abseits von Tourismus und Landwirtschaft. Auch die Europäische Union hat die Wichtigkeit des ländlichen Tourismus erkannt und daher in den letzten Jahren verstärkt in touristische Projekte investiert.

Während im ländlichen Raum der kleinstrukturierte Tourismus weiter forciert werden soll, stehen im urbanen Ballungsraum die touristisch genützten Gästezimmer oft im direkten Wettbewerb zum leistbaren Wohnen. Wohnhäuser in Innsbruck, in denen Wohnungen über die Buchungsplattform „airbnb“ vermietet werden, entziehen den Tirolerinnen und Tiroler Wohnraum. Der Fokus der Privatzimmervermietung muss wieder vermehrt auf den ländlichen Raum gelegt werden.

Ein weiteres Problem stellen die ausufernden Freizeitwohnsitze in Tirol dar. NEOS Tirol hat sich immer zur Freizeitwohnsitzabgabe bekannt und diese im Tiroler Landtag auch umgesetzt. Nun geht es darum, eine lückenlose Kontrolle zu garantieren und voranzutreiben. Um dies zu erreichen, fordern wir die Einführung einer neuen Kontrollbehörde im Land, die sich mit diesen Agenden beschäftigt.

Bürgerinnen und Bürger haben das Recht und die Verantwortung über öffentliche Investitionen in touristische Infrastruktur und deren Erhaltung informiert und miteingebunden zu werden. Zentraler Bestandteil einer partizipativen Bürger_innenbeteiligung bei Infrastrukturprojekten der öffentlichen Hand sollen zukünftig Volksbefragungen sein. Nach Schweizer Vorbild, wollen wir direkte Demokratie, insbesondere auf Gemeindeebene, stärken.

NEOS Tirol haben die Volksbefragung zum Thema Olympia begrüßt und würden solche bindenden Volksentscheide bei Großveranstaltungen und touristischen Infrastrukturprojekten gesetzlich verankern.

Tirol ist bei den Durchschnittslöhnen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Schlusslicht in Österreich. Das liegt zum einen daran, dass der Tourismus wenige Ganzjahresarbeitsplätze schafft und zum anderen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf speziell in den ländlichen Regionen Tirols nach wie vor ein großes Problem darstellt. Wir NEOS sprechen uns für das „10+2 Beschäftigungsprogramm“ im Tourismus aus. Das Programm sieht eine Unterstützung für Betriebe vor, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zehn Monate im Jahr beschäftigen. Statt die Belegschaft die restlichen zwei Monate arbeitslos zu melden, übernimmt der Betrieb die Lohnkosten und das Land Tirol für diese zwei Monate die Sozialabgaben und Steuern. Damit stellen wir sicher, dass diese Personen nicht nur das ganze Jahr beschäftigt sind, sondern vor allem auch eine dementsprechende Altersvorsorge aufbauen können. Ziel muss es dabei sein, mehr Ganzjahresbeschäftigung im Tiroler Tourismus zu schaffen.

In den ländlichen Regionen besteht vor allem bei der Kinderbetreuung großer Nachholbedarf. NEOS fordern tirolweit den Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem vollendeten ersten Lebensjahr. Außerdem muss speziell in touristischen Regionen zusätzlich das Betreuungsangebot vor allem in den Ferienzeiten und an Wochenenden deutlich ausgebaut werden. Familie und Beruf muss sich auch im Tourismus vereinbaren lassen. Dafür hat das Land Tirol die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen. So kann garantiert werden, dass die Arbeit im Tourismus für eine breite Bevölkerungsschicht attraktiv wird.

 

2. Chancen durch Bildung wahrnehmen

Gerade im Tourismus sind wir mit einem zunehmenden Fachkräftemangel konfrontiert. Dieser hat für die gesamte Branche bedrohliche Ausmaße angenommen. Immer weniger junge Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung im Tourismus. Für uns NEOS ist dieses Problem zu einem gewissen Teil hausgemacht. Es wird zu wenig Aufmerksamkeit auf die Berufsfindungsphase junger Menschen gelegt. Hier sind die Schulen gefordert, bei der Berufsorientierung den Schüler_innen die Chancen und Möglichkeiten der Tourismusbranche näher zu bringen. 

Bei der Lehre mit Matura sind junge Menschen, die sich zu einem Lehrberuf im Tourismus entschieden haben, benachteiligt. Maturakurse werden nur abends oder freitags angeboten. Das lässt sich mit den Arbeitszeiten im Tourismus meist nur schwer vereinbaren. Hier muss das System auf die Bedürfnisse der Lehrlinge besser eingehen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Möglichkeit der Weiterbildung nach einer abgeschlossenen Lehre. Diese sind gerade für junge Menschen sehr teuer. Auch im Tourismus muss man den Leuten die Möglichkeit bieten, sich nach der abgeschlossenen primären Ausbildung weiterzubilden. Sie zahlen seit ihrem 15. Lebensjahr ins System ein, für ihre weiterführende Bildung müssen sie aber – im Gegensatz zu anderen Bildungslaufbahnen – selbst aufkommen. Dieser Umstand soll mit einem Bildungsscheck für Fort- und Weiterbildung gelöst werden. Die bestehenden Landesberufsschulen sind zu Berufsbildungszentren auszubauen und deren freie Ressourcen dafür zur Verfügung zu stellen.   

Um Tirol als Tourismusdestination weiter zu entwickeln, sind ausgebildete Fachkräfte auf allen Berufsebenen unverzichtbar. Bereits bestehende Ausbildungszweige an Fachhochschulen müssen weiter ausgebaut werden. Einzelne Fachrichtungen sollen weiter spezifiziert werden, um mit ausgebildeten Tourismusmanager_innen ein breites Spektrum an Tourismusfeldern abzudecken.

Die unterschiedlichen Bildungsorganisationen müssen zukünftig noch enger zusammenarbeiten und ihre angebotenen Ausbildungen untereinander abstimmen. Auch wenn die Tourismusschulen bereits hohen internationalen Standards entsprechen, so sollen diese noch enger mit anderen internationalen Bildungseinrichtungen vernetzt werden. So wird garantiert, dass besser und schneller auf Entwicklungen in anderen Ländern reagiert werden kann.

3 Verkehrsinfrastruktur nachhaltig weiterentwickeln

Die Grenze der Belastbarkeit in Sachen Verkehr ist in Tirol bereits erreicht, ja sogar überschritten. Es erfordert daher gut durchdachte und nachhaltige Konzepte. NEOS bekennen sich in ihren Kernwerten dazu, die Regional- und Verkehrsplanung entscheidend zu verbessern. Eine effektive Maßnahme auf dem Weg dorthin ist in allen Bereichen die Bewusstseinsbildung. Kostenwahrheit, Emissionen und Verkehrslärm müssen mit ökonomischen und ökologischen Notwendigkeiten, sowie den sozialen Grundbedürfnissen der Menschen in Einklang gebracht werden.

In Tirol gibt es viele Gründe für die negative Verkehrsentwicklung. Sei es der steigende Transitverkehr durch und innerhalb von Tirol, die Zersiedelung, der sinkende Besetzungsgrad in Pkws, der generelle Wunsch nach uneingeschränkter Mobilität und letztendlich der Reiseverkehr. Zu all diesen Faktoren kommt hinzu, dass die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei steigenden Nächtigungszahlen abgenommen hat. Immer mehr Gäste reisen für immer kürzere Aufenthalte nach Tirol und tragen damit wesentlich zur Verkehrszunahme bei. Vor allem die Tiroler Seitentäler sind an den Wochenenden mit einem Verkehrsaufkommen konfrontiert, das die einheimische Bevölkerung in ihrem Alltag massiv belastet. Hier sind dringend innovative Lösungen gefordert.

Das Angebot des öffentlichen Verkehrs in all seinen innovativen und modernen Ausprägungen muss ausgebaut werden. Dabei ist es in Zukunft auch notwendig, außergewöhnliche Wege zu beschreiten. So könnten beispielsweise Seilbahnen auch im öffentlichen Nahverkehr als Verkehrsmittel eingesetzt werden. Für viele Gäste ist bei der Wahl des Verkehrsmittels für die Anreise die „letzte Meile“ besonders wichtig. Geografisch ist das Inntal recht gut an ein internationales Bahnnetz angebunden. Das Problem für viele Gäste entsteht mit der Weiterreise in den Ferienort. Hier müssen attraktive Angebote geschaffen werden, um die Gäste schnell und komfortabel an den gewünschten Zielort zu bringen. Ein erster Schritt wären gute und funktionierende Busverbindungen von den Bahnhöfen im Inntal in die Seitentäler. 

Im Bahnbereich muss Tirol weiter vernetzt werden. Wir brauchen mehr Direktzugverbindungen, vor allem Nachtzüge, von europäischen Metropolen nach Tirol. Sinnvollerweise werden diese neuen Verbindungen verstärkt in den Ferienzeit und zur Hauptsaison angeboten. Dabei wollen wir auch neue Wachstumsmärkte in Mittel-Osteuropa (Tschechische Republik, Polen, Slowakei etc.) mit Tirol verbinden. NEOS begrüßen die bereits bestehenden Angebote in Form von Kombi-Tickets (z.B. „Im Nightjet zum Schnee“) mit der Bahn. So ist es bereits in manchen Destinationen möglich, Anreise, Shuttleservice und Skiausrüstung in einem zu buchen. Diese innovativen Angebote des bequemen und klimafreundlichen Reisens müssen stärker forciert und noch mehr beworben werden.

Verstärkt muss auch der Ausbau des Busnetzes aus dem benachbarten Ausland vorangetrieben werden. Wir brauchen mehr direkte Busverbindungen in die Urlaubs- und Skidestinationen. So können unter anderem auch Tagestouristinnen und -touristen ohne Umsteigen direkt anreisen.

Das Tiroler Radwegenetz gehört vereinheitlicht (Beschilderung, Kartografie etc.) und die Streckenführung modernen Entwicklungen, wie beispielsweise E-Bikes und E-Scootern, angepasst. Besonders wichtig erscheint uns, dass das Tiroler Radwegenetz perfekt an Mitteleuropäische Radwanderstrecken angeschlossen wird. Der Radtourismus erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Tirol hat in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen um sich als Fahrradmekka am Markt zu positionieren. Der Ausbau hinkt aber den ambitionierten Zielen hinterher. Was leider auch damit zu tun hat, dass es im Land Tirol keine Mobilitätskoordination gibt und die Erhaltung von Radwegen Aufgabe der Gemeinden ist. Hier braucht es Verbesserungen in der Zusammenarbeit und gemeinsame Investitionen von Tourismusverbänden, Gemeinden und dem Land Tirol.

 

4 Fördern ohne Förderungen

Die Wirtschaftsförderpolitik der aktuellen Tiroler Landesregierung ist grundsätzlich zu hinterfragen. Landesförderungen werden großzügig verteilt, aber Kriterien für Nachhaltigkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit fehlen meist.

Während das Bundesland Wien im Jahr 2018 knapp 95 Millionen Euro an Wirtschaftsförderungen ausgeschüttet hat, gab Tirol im selben Zeitraum 202 Millionen Euro aus. Vor allem im Tourismus versucht die Landesregierung durch großzügige Förderungen zu unterstützen: bei Kleinst- & Kleinskigebieten, regionalen Tourismusprojekten im Tiroler Oberland, Außerfern und in Osttirol. Diese Politik erachten wir als wenig nachhaltig. Nur selten werden nachvollziehbare Effekte damit erzielt. Seit Jahrzehnten wird gefördert, eine Überprüfung der wirtschaftlich nachhaltigen Effekte bleibt aber aus.

Grundsätzlich sind wir NEOS der Ansicht, dass die beste Wirtschaftsförderung im Abbau von Bürokratie und in der Senkung von Steuern und Abgaben zu sehen ist. Wir wollen nicht Millionenförderungen für einzelne ausgesuchte Betriebe, sondern bessere und faire Bedingungen für alle. Davon profitieren vor allem kleinstrukturierte Familienbetriebe.

Die Liberalisierung der Öffnungszeiten in Tirol ist längst überfällig und ist offensichtlich ein Standortnachteil. Diese Maßnahmen würden auch die Interessen der Bevölkerung widerspiegeln und die Tourismuswirtschaft weiter stärken.

 

5 Tourismusabgabe abschaffen

In Tirol wird allen Unternehmerinnen und Unternehmern die Tourismusabgabe verpflichtend vorgeschrieben. Gesamt hat diese Abgabe 2018 knapp 128 Millionen Euro Einnahmen für das Land beschert.

Mit rund 72.000 Bescheiden, 22.000 Mahn- und Erinnerungsschreiben sowie 4.400 Exekutionen jährlich verursacht die Tourismusabgabe einen gewaltigen bürokratischen Aufwand in der Landesverwaltung – alleine dafür belaufen sich die Kosten auf 4,8 Millionen Euro jährlich.

Dieses System ist ungerecht und wettbewerbsverzerrend: Es leisten zwar alle Unternehmerinnen und Unternehmer in Tirol Tourismusabgabe, jedoch die Hauptprofiteure des Tiroler Tourismus – Buchungsplattformen wie „booking.com“ oder „airbnb“ – die Millionen an Kommissionszahlungen aus dem Tiroler Tourismus erzielen, tragen keinen einzigen Cent dazu bei.

Dass die Tourismusverbände sowie die Tirol Werbung auch künftig ausreichend finanziert werden müssen, steht für NEOS außer Frage.  Aber: Die Abgabenstruktur muss überdacht werden.

Mit einer Änderung des Tiroler Tourismusgesetzes wollen wir die Finanzierung der Tourismusverbände und der Tirol Werbung komplett auf neue Beine stellen. Einerseits muss es Ziel sein, die gesamte Tiroler Wirtschaft zu entlasten, andererseits aber unbedingt zukunftsfähige Strukturen in der Tourismusfinanzierung zu ermöglichen.

Erster notwendiger Schritt ist es, die Tourismusabgabe abzuschaffen. Damit verbunden sind massive Einsparungen in der Verwaltung (4,8 Millionen Euro jährlich) und ein Abbau von Bürokratie. Im Gegenzug kürzen wir die Tiroler Wirtschaftsförderungen massiv um zumindest 50 Millionen Euro jährlich. Dieses Geld verwenden wir als Sockelfinanzierung der Tourismusverbände. Pro abgabenpflichtiger Nächtigung sollen den Tourismusverbänden künftig 1,5 Euro vom Land Tirol zur Verfügung gestellt werden. Dieser Betrag soll sich am Verbraucherindex orientieren und jährlich angepasst werden.

Die Ungerechtigkeit der Förderungspolitik der Landesregierung wäre damit eingeschränkt, das Bürokratiemonster Tourismusabgabe beseitigt, Ungerechtigkeiten, wer Tourismusabgabe zahlt und wer nicht gelöst und die Tiroler Wirtschaft nachhaltig mit 128 Millionen Euro jährlich entlastet.

 

6 Einheitliche und gerechte Nächtigungsabgabe einführen

Die Tourismusabgabe ist jedoch nur ein Teil, aus dem sich die Tourismusverbände finanzieren. Der andere Teil kommt über die jeweilige Nächtigungsabgabe herein. Jeder Gast zahlt diese pro Übernachtung in Tirol an den jeweiligen Tourismusverband. Obwohl diese Abgabe von der Landesregierung verordnet wird und die jeweilige Vollversammlung des Tourismusverbandes eine unverbindliche Empfehlung über die Höhe abgeben kann, gibt es keine tirolweit einheitliche Regelung.

Gründe dafür sind, dass sich die Tourismusverbände im wirtschaftlich nicht sehr touristisch geprägten Inntal hauptsächlich über die Tourismusabgabe finanzieren und mit einer günstigen Nächtigungsabgabe die wenigen Tourismusbetriebe quer-finanzieren. Während in den Tourismushochburgen die Gäste mit hohen Nächtigungsabgaben für die eigenen Tourismusverbände aufkommen. Beispielsweise verfügt der Tourismusverband Silberregion Karwendel mit 2 Millionen Euro (2017), über die Hälfte des Budgets vom Tourismusverband Achenseetal mit knapp 4 Millionen Euro (2017).

Im Moment profitieren von der Tourismusabgabe nicht diejenigen, für welche die Verwendung ursprünglich vorgesehen war. Die Tourismusabgaben von großen Unternehmen in einer nicht vom Tourismus abhängigen Gemeinde versickern zu oft im jeweiligen Ortsbudget des Tourismus Verbandes und stiften zu wenig nutzen. Die örtlichen Tourismusbetriebe werden mit einer niedrigen Nächtigungsabgabe quer-finanziert – eine generelle regionale Ungleichbehandlung.

Dieses System ist ungerecht und wettbewerbsverzerrend. Es führt dazu, dass tourismusstarke Tourismusverbände verhältnismäßig deutlich weniger Budget zur Verfügung haben und höhere Nächtigungsabgaben verlangen müssen. Es ist auch den Gästen nicht zumutbar, dass sie in unterschiedlichen Regionen – teilweise sprechen wir hier von Nachbarorten – unterschiedlich hohe Nächtigungsabgaben zahlen müssen.  

Das wollen wir ändern und fordern daher eine einheitliche Nächtigungsabgabe für Tirol in Höhe von 2,50 Euro. Diese soll gleichzeitig alle vier Jahre vom Land Tirol Index angepasst werden, während die gesamte Wirtschaft über eine Senkung der Tourismusabgabe entlastet werden soll. Natürlich würden dadurch die Nächtigungsabgaben teilweise erhöht, da es in Tirol im Jahr 2019 noch Tourismusverbände gibt, die tatsächlich nur 0,70 Euro Nächtigungsabgabe vorschreiben. Die Beherbergungsbetriebe müssten aber im Gegenzug auch keine Tourismusabgabe mehr leisten.

Nicht nachvollziehbar ist, dass einzelne Beherbergungsbetriebe, beispielsweise Unterkünfte im Besitz des Alpenvereins, keine Nächtigungsabgabe leisten müssen. Künftig sollen auch hier einheitliche Bedingungen für alle Beherbergungsbetriebe in Tirol gelten.

7 Tourismusverbände demokratisieren und professionalisieren

Bisher sind alle Unternehmerinnen und Unternehmer in Tirol durch das Leisten der Tourismus“zwangs“abgabe Pflichtmitglied im jeweiligen Tourismusverband und daher stimmberechtigt. Das Kurienwahlrecht unterteilt die gesamten Mitglieder in drei Gruppen: Je nachdem wieviel Tourismusabgabe ein Unternehmen bezahlt, findet es sich in einer der drei Beitragsgruppen wieder. Nachdem die Beitragshöhe der Tourismusabgabe ein Promillesatz des Umsatzes ist und daher große Unternehmen mit höheren Beiträgen ein höheres Stimmgewicht haben, ist diese Struktur unfair und undemokratisch. Dieses Kurienwahlrecht gibt es nur noch bei den Tourismusverbänden in Tirol. 

In dem wir die Tourismusabgabe abschaffen, sind automatisch nur noch Beherbergungsbetriebe „Zwangs-“ Mitglieder im jeweiligen Tourismusverband und all diese Beherbergungsbetriebe wären mit einer Stimme dort vertreten. Jede einzelne Stimme wiegt gleich viel, nach dem Motto: „one man, one vote“. Ob nun der/die Privatzimmervermieter/-vermieterin oder Großhoteliers – jede/r ist mit einer Stimme vertreten, damit schaffen wir demokratische Strukturen.

So stärken wir die Fachkompetenz, vor allem aber das KnowHow in einem Verband, wenn zukünftig DIE entscheiden, die in der Branche auch tatsächlich verankert sind. Darüber hinaus kommen so auch die Schwächsten endlich zum Zug – kleine Beherbergungsbetriebe haben das Recht mitzubestimmen und mit unserem Konzept auch endlich die Chance dazu, mit ihrer Stimme tatsächlichen Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen. Kleinstrukturierte Betriebe fühlen sich in diesem Konstrukt wieder ernst genommen, partizipieren mit Freude an der Arbeit des Tourismusverbandes. Damit werden nicht mehr Entscheidungen von einigen wenigen Großunternehmen diktiert.

Selbstverständlich soll es einem Tourismusverband künftig weiterhin möglich sein, sogenannte freiwillige Mitglieder aufzunehmen. Dabei denken wir vor allem an tourismusnahe Betriebe wie Seilbahnen, Sporthandel, Skischulen etc. Der jeweilige Tourismusverband soll frei über diese Mitglieder entscheiden können und selbst die Höhe der Mitgliedsbeiträge bestimmen. Dadurch ergibt sich für einen Tourismusverband eine weitere Einnahmequelle. Dies führt dazu, dass die Verbände ihre Arbeit unternehmerisch ausrichten müssen und mitgliederorientiert arbeiten. 

Gesamt stehen nach dem NEOS-Finanzierungskonzept den Tourismusverbänden mit Sockelfinanzierung und Nächtigungsabgabe pro abgabenpflichtiger Nächtigung 4,00 Euro an Budget zu Verfügung. Das schafft transparente Finanzstrukturen, erleichtert die Budgeterstellung und garantiert durch die Indexierung steigende Einnahmen für die Tourismusverbände (bei gleichbleibenden Nächtigungszahlen). Zudem kommt das Geld garantiert bei Tourismusverbänden nächtigungsstarker Regionen an (siehe Statistik im Anhang). Dabei ist es uns wichtig, darauf hin zu weisen, dass die Hauptprofiteure die Tourismusverbände im Tiroler Oberland, dem Außerfern, dem Unterland und im Zillertal sind. Denn dort haben wir es im Tourismus hauptsächlich mit Nächtigungsgästen und nicht mit Tagestourismus zu tun. Tagestourismus stellt gerade in der Inntalfurche die Städte Innsbruck, Hall, Kufstein etc. vor große Herausforderungen. Daher sind wir NEOS der Ansicht, dass man aufgrund des damit verbundenen Verkehrsaufkommens und der nachweislich geringen Wertschöpfung verstärkt auf Nächtigungsgäste setzen soll. Ziel muss es also sein, durch den jeweiligen Tourismusverband entsprechende Anreize zu schaffen, um Nächtigungen zu forcieren und Aufenthalte zu verlängern.

Die Organe des Tourismusverbandes sollen künftig nur die Vollversammlung und der Aufsichtsrat sein. Die Funktion des/der Tourismusobmannes/-frau wäre obsolet. Dass sich Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinden automatisch in den Aufsichtsräten finden ist zu hinterfragen. NEOS schlagen hier die demokratische Wahl der Aufsichtsräte vor. Ein Tourismusverband soll künftig über eine professionelle Geschäftsführung geführt werden. Diese übernimmt die Leitung des Tourismusverbandes und dessen Vertretung nach außen.

Den Vorsitz in der Vollversammlung übernimmt der Aufsichtsrat, der auch für die Kontrolle der Geschäftsführung zuständig ist.

Da es sich bei der Nächtigungsabgabe um eine tirolweite Abgabe handelt, die die Tiroler Landesregierung verordnet, müssen die Tourismusverbände in Hinkunft auch vom Landesrechnungshof geprüft und kontrolliert werden und sind nicht mehr nur der Abteilung Tourismus auskunftspflichtig. Auch hier muss die Transparenz an oberster Stelle stehen. Eine für alle einsehbare und nachvollziehbare Mittelverwendung in den Verbänden ist allenfalls zu garantieren.

Der Tourismusverband der Zukunft definiert sich als Servicestelle und Dienstleistungsunternehmen für seine Mitglieder, vor allem aber für Gäste und die einheimische Bevölkerung.

Der „Verband der Tiroler Tourismusverbände“ ist obsolet. Er verschlingt Ressourcen und stiftet jedoch keinen nennenswerten Nutzen. Diese teure doppelgleisige Struktur gehört abgeschafft. Stattdessen sollten sich die Tourismusverbände unter dem Dach der Lebensraum Tirol Holding zusammenfinden.

 

8 Regionen stärken, strategisch sinnvoll ausrichten und zu Destinationen entwickeln

Die Tourismusverbände in der Inntalfurche und dem Wipptal (Innsbruck und seine Feriendörfer, Kufsteinerland, Imst Tourismus, Silberregion Karwendel, Wipptal, Region Hall/Wattens, Tirol West, und Teile der TVB Tiroler Seenland und Hohe Salve) gehören in einem Tourismusverband zusammengefasst. Dieser hätte jährlich knapp sechs Millionen Nächtigungen und über 25 Millionen Euro Budget. Er wäre der mit Abstand größte Tourismusverband in Tirol. Wir sind davon überzeugt, dass so die Professionalität gesteigert wird und sich Chancen ergeben, neue Potentiale für touristisch schwach entwickelte Regionen zu fördern.

Die Regionen des Inn- und Wipptales verbindet, dass sie über viele Orte mit historischem Erbe verfügen, zahlreiche Tagestouristinnen und -touristen anziehen und aufgrund der Autobahnanbindung auch für Durchreisende attraktiv sind. Diese Gästestruktur unterscheidet sich signifikant vom Rest Tirols. Auch der Sommertourismus ist in diesen Regionen weit mehr ausgeprägt, als der Tourismus im Winter. Die Zusammenlegung zu einem großen Verband, der sich auf Kulturtourismus, Geschäftsreisende, Seminar- und Kongresstouristinnen und -touristen konzentriert, wäre hier von Vorteil.

Starke Regionen werden durch Spezialisierung zu erfolgreichen Marken und sind damit Grundlage für den ansteigenden Erfolg im Tiroler Tourismus. Hier hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel entwickelt. Sowohl die Fusionierungen als auch die Spezialisierung einzelner Regionen haben sich bewährt. Das soll in dieser Form weiter betrieben und gefördert werden. Langfristig können sich die Tiroler Tourismusregionen so zu starken Destinationen mit jeweils klar definierten Eigenmarken entwickeln. NEOS stehen hinter starken Tiroler Marken, wie Kitzbühel, Arlberg, Seefeld, Zillertal, Fiss-Serfaus-Ladis, Stubaital, Osttirol, Ötztal etc. und wollen diese weiter unterstützen und fördern.

Zentral für den mittel- und langfristigen Erfolg wird es sein, dass Tirol mit neuen und kreativ gedachten schlanken Ansätzen und Lösungen seine Pionierstellung als Lebens- und Wirtschaftsraum erfolgreich verteidigt und weiter vorantreibt.  Die Tirol Holding soll sich mit Tirol Werbung, Standortagentur und Agrarmarketing um die operative Umsetzung der akkordierten Strategien kümmern. Es muss aber auch ein Ziel sein, parallel dazu neue Modelle für die anstehenden und ablaufenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen zu erdenken. Mit der Schaffung eines hoch kreativ und produktiv agierenden „ThinkTank. Tirol“ unter dem Dach der Tirol Holding, könnte man in Tirol zukünftig schon frühzeitig Trends und Entwicklungen erkennen und auf diese mit innovativen und maßgeschneiderten Lösungen reagieren. Dieses „outside the box“-Denken wird in einer sich immer schneller verändernden Gesellschaft nötig sein, um international Schritt halten zu können.

Die Digitalisierung ist auch im touristischen Bereich eine große Herausforderung: Tourismusverbände dürfen sich nicht weiter der zunehmenden Digitalisierung in unserer Gesellschaft verschließen. Sie müssen sich vor allem auch mit den Dienstleistungsunternehmen in den Regionen digital vernetzen.

Wir fordern die Machbarkeit von online Buchungen über den Verband vorzunehmen, die von Anreise über Aufenthalt bis hin zu Dienstleistungen (Skitickets, Bahntickets, Öffi-Tickets, Car-Sharing, Kulturangebote, Sportkurse etc.) alles beinhalten, was den Bedürfnissen von Tourist_innen entspricht. Dies soll auch im Tiroler Tourismusgesetz verankert werden. Tourismusverbänden soll es zukünftig auch erlaubt sein, auf Grund des gestärkten Onlinevertriebes im Incoming-Bereich die Tätigkeiten eines Reisebüros auszuführen.

Digitale Neuerungen, Applikationen u.ä. die das Urlaubserlebnis attraktiver, interaktiver und nicht zuletzt einfacher machen, sind jedenfalls zu unterstützen.

Auch der Ausbau digitaler Infrastruktur vor allem in den Seitentälern muss weiter forciert werden. Immer mehr, vor allem junge Gäste wünschen sich eine durchgehend schnelle und störungsfreie Internetverbindung, auch an abgelegeneren Orten. Dieser Ausbau kommt schließlich auch der einheimischen Bevölkerung zu Gute. 

9 Skigebiete verantwortungsvoll weiterentwickeln

Tirol verfügt derzeit über 79 Skigebiete, davon besitzen zehn Großraumskigebiete über 100 Pistenkilometer, lediglich drei Skigebiete liegen zwischen 50 und 100 km und 65 Skigebiete weisen weniger als 50 Pistenkilometer auf. Unsere Skigebiete zählen europaweit zu den innovativsten und qualitativ hochwertigsten. Sie sind das Triebwerk der Konjunktur im Wintertourismus und seit geraumer Zeit auch im Sommer erfolgreich. Deren Bestand und qualitative Weiterentwicklung sind uns ein großes Anliegen. Wir sind gegen Neuerschließungen von Skigebieten. Sinnvolle Zusammenschlüsse werden unterstützt, wenn der jeweilige vorgeschriebene Verfahrensweg (inkl. Umweltverträglichkeitsprüfung) positiv abgeschlossen werden kann.

Grundsätzlich sprechen wir uns gegen jegliche Form von Förderungen für Skigebiete aus. Daher lehnen wir auch das Infrastruktur-Förderungsprogramm der Tiroler Landesregierung für Kleinst- und Kleinschigebiete inhaltlich ab. Eine Ausnahme bilden Förderungen von Kleinstskigebieten mit einer maximalen Pistenlänge von einem Pistenkilometer. Einmalige Investitions-Förderungen sind hier durchaus denkbar.

Es darf nicht Aufgabe der öffentlichen Hand sein, Skigebiete zu besitzen und/oder zu betreiben. Wir lehnen es ab, dass immer mehr Gemeinden diese auch zur Gänze übernehmen. Die Vergangenheit hat immer wieder eindrucksvoll gezeigt, dass die öffentliche Hand sich oft als schlechte Unternehmerin entpuppt und sich das Geschäftsergebnis trotz Subventionen mit Steuergeldern nicht verbessert hat. Diese Praktik ist darüber hinaus wettbewerbsverzerrend und widerspricht geltendem Europäischen Recht. An dieser Stelle der explizite Hinweis auf die Unvereinbarkeit, wenn Beamte und Vertragsbedienstete der Tiroler Landesregierung die Funktion von Aufsichtsräten von Bergbahnen inne haben.

Tirol wird sich in naher Zukunft auch einer grundsätzlichen Diskussion, ob bestehende Skigebiete aufgrund der Klimaerwärmung rückgebaut werden, stellen müssen. Langfristig werden keine 79 Skigebiete in Tirol überleben. Das ist uns bewusst und wir sehen hier vor allem die Politik (Gemeinden und Land Tirol) in der Verantwortung, diesen Rückbau auch zu ermöglichen und die Entwicklung alternativer Freizeitmöglichkeiten zu fördern.

Wir begrüßen es, wenn sich die Tiroler Skigebiete einer großen sozialen Verantwortung bewusst sind und ein attraktives Angebot für die einheimische Bevölkerung, insbesondere Familien, offerieren (bspw. SnowCard Tirol, Freizeitticket, RegioCard, etc.)

10 Privatzimmervermieter stärken 

Die für die Beherbergung von Fremden als häusliche Nebenbeschäftigung (Privatzimmervermietung) geltenden Gesetzesnormen in Tirol stammen aus dem Jahr 1959.  Diese Tatsache führt dazu, dass durch die touristische Entwicklung die gelebte Realität weit vom Privatzimmervermietungsgesetz abweicht. So müssten nach den bestehenden Regelungen die zu vermietenden Wohnräume Bestandteil der Wohnung sein. Des Weiteren dürfen die mit der Beherbergung verbundenen Dienstleistungen nur durch die gewöhnlichen Mitglieder des Hausstandes des Vermieters erledigt werden. Streng genommen ist die Bewerbung und Vermarktung der Privatzimmer (im Gesetz wird von „Ankündigung“ gesprochen) nur auf den „Ankündigungstafeln der Gemeinde und des Verkehrsverein sowie im Zimmernachweis des Verkehrsvereins“ erlaubt. Im Gesetz ausdrücklich verboten ist „die persönliche Anwerbung von Gästen in Bahnhöfen, in den öffentlichen Verkehrsmitteln und an ihren Haltestellen und an öffentlichen Plätzen und Straßen“ – Internet gab es bekanntlich 1959 noch keines. Unsere Conclusio: Dieses Gesetz mit all seinen Anforderungen ist  nicht mehr zeitgemäß.

NEOS ist davon überzeugt, dass ein breiterer Teil der Bevölkerung vom Tourismus profitieren soll. Daher muss der Betrieb von Ferienwohnungen mit maximal 20 Betten im Rahmen der Privatzimmervermietung auch ohne Gewerbeanmeldung möglich sein. Auch touristische Dienstleistungen und die Anstellung einer Arbeitskraft sollen ohne diese Gewerbeanmeldung möglich sein.

Die Privatzimmervermietung mittels „airbnb“ außerhalb der Städte ist positiv und innovativ. Auch wenn wir „airbnb“ weder kriminalisieren, noch davor Angst haben, befürworten wir dennoch die im Oktober-Landtag beschlossene Novelle der Bauordnung, die unter anderem eine Anzeige- und Registrierungspflicht für die „airbnb“-Vermietung beinhaltet. So sind Vermieterinnen und Vermieter künftig verpflichtet, gegenüber dem jeweiligen Tourismusverband entsprechende Meldungen vorzunehmen und sich zu registrieren.

Für uns ist dabei wichtig, dass Tourismusverbände auf die Vermieterinnen und Vermieter zugehen und diese über die Neuerungen informieren. Die Registrierungskontrolle soll neben den Tourismusverbänden durch die jeweiligen Bezirkshauptmannschaften erfolgen. Selbstverständlich darf eine Wohnung nur dann über Sharing-Plattformen vermietet werden, wenn alle rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.