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Tirol ist oben……

11.07.2016 Florian Kahn

Diesen Slogan hat die ÖVP im letzten Tiroler Landtagswahlkampf überall plakatiert. Das stimmt auch – zumindest bei den Lebenserhaltungskosten und den Firmeninsolvenzen. Da sind wir im Bundesländervergleich wirklich oben auf.

Diese zwei Themen werden auch fast immer genannt, wenn man mit Tiroler Bürger_innen spricht. Das haben wir in den letzten drei Wochen hautnah miterlebt. Im Rahmen unserer Bezirkstour haben wir unter anderem in Landeck, Kufstein, Schwaz, St. Johann und Lienz Halt gemacht und dabei mit vielen Menschen gesprochen. Was wir dabei gehört haben zeigt deutlich, dass in Tirol nicht alles so toll ist, wie uns die schwarz-grüne Landesregierung beinahe täglich über diverse Medien ausrichten lässt.

Unternehmer_innen haben die Schnauze voll

Etwa 200 Klein- und Mittelbetriebe haben wir im letzten Monat besucht. Die Stimmung war bei diesen alles andere als gut Unnötige Auflagen, hohe Lohnnebenkosten und die teilweise horrenden Immobilienpreise belasten die Unternehmen. Besonders in den schönen Innenstädten Tirols ist wenig Optimismus zu finden. Die Strategielosigkeit der jeweiligen Kommunalpolitik lässt ehemals gut frequentierte Fußgängerzonen langsam zu Einöden verkommen. Die Inhaber_innen der Geschäfte sehen die Situation recht klar: Sie wollen noch irgendwie bis zur Pension durchhalten und dann zusperren. Ganze zwei Unternehmer auf unserer Tour wollen ihr Unternehmen übergeben. Die anderen haben niemanden in Aussicht, der das Geschäft weiterführen will. „Ich könnte nicht mehr ruhig schlafen, wenn eines meiner Kinder das Geschäft übernehmen würde!“, ´sagte uns eine Geschäftsinhaberin in Schwaz sehr deutlich.

Es ist definitiv 5 vor 12 in der Tiroler Wirtschaft. Ohne innovative Zukunftskonzepte werden wir bald vor unzähligen leeren Geschäftslokalen stehen und noch mehr Arbeitslose haben.

Mut zur Transparenz!

Bei jedem unserer Stopps haben uns Menschen erzählt, dass sie kein Vertrauen mehr in die Politik haben. Neben den ewigen Streitereien wird vor allem ein Hauptgrund dafür genannt: Intransparenz. Die Bürger_innen können nicht mehr nachvollziehen nach welchen Kriterien Entscheidungen getroffen, Aufträge vergeben und Posten besetzt werden. Postenschacher und Freunderlwirtschaft sind noch die netten Begriffe, die man zu hören bekommt.

Eines ist klar: Die Menschen wollen Transparenz! Sie wollen wissen, was mit ihrem Geld passiert, wer woran verdient und warum jemand einen gutbezahlten Job auf Kosten der Steuerzahler bekommt.

Baustelle Kinderbetreuung

Eines hat mich überrascht: Die Bürger_innen Tirols sind bei einem Thema viel weiter als die Politik: Kinderbetreuung. Die Menschen sehen diese nicht als einen Ort, an den man seine Kinder abschiebt, sondern als Bildungseinrichtung. Die elementare Pädagogik ist ihnen wichtig und das derzeitige Angebot ein Witz. Von ganztägiger und ganzjähriger Betreuung kann nicht einmal ansatzweise gesprochen werden. Kindergärten, die zu Mittag schließen und in den Ferien geschlossen haben sind die Regel. Kinderkrippen und Spielgruppen sind oft unbezahlbar.

Im Jahr 2016 darf Kinderbetreuung eigentlich kein Thema mehr sein. Es braucht Mut, um den Dorfkaisern Tirols zu zeigen, dass Elementarpädagogik essentiell für Tiroler Kinder und deren Eltern ist.

Zusammenfassend ist im Laufe unserer Bezirkstour eines recht klar geworden: Tirol ist am Weg nach unten! Das Guthaben der Vergangenheit ist bald aufgebraucht – es reicht nicht mehr, sich auf den Lorbeeren der früheren Generationen auszuruhen. Tirols Bürger_innen brauchen mehr Luft zum Atmen, also Freiheit. Das politische Konzept für die Zukunft muss mutig sein und die notwendige Innovation schaffen.

Dominik Oberhofer und Florian Kahn bei Betriebsbesuchen
Dominik Oberhofer und Florian Kahn bei Betriebsbesuchen