Kleinkindbetreuung

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Kinder aller Altersklassen werden unabhängig von ihrer Herkunft als wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft erkannt. Derzeit werden der Bildungsverlauf, und somit auch der weitere Lebensverlauf, sehr stark durch die Bildungsherkunft der Ursprungsfamilie bestimmt. Dadurch gehen viele Potentiale verloren und es werden existenzielle Nachteile geschaffen, die neben den individuellen schwierigen Konsequenzen letztendlich negative Auswirkungen auf die Gesamtgesellschaft haben.

Kleinkindbetreuung sollte so gestaltet und umgesetzt werden, dass sie allen Bedürfnissen der Kinder, d. h. kognitiver, emotionaler, sozialer und physischer Art, gerecht wird.

Diese Bedürfnisse unterscheiden sich erheblich von denen älter Kinder im Schulalter. Forschungsergebnisse lassen den Schluss zu, dass die ersten Lebensjahre Kinder am stärksten prägen. In dieser Phase wird der Grundstein für die wichtigsten Verhaltensweisen und -muster ihres gesamten Lebens gelegt.

Der Erwerb nicht-kognitiver Fähigkeiten (wie Ausdauer, Motivation und die Fähigkeit, mit anderen zu interagieren) in den ersten Jahren ist für das gesamte zukünftige Lernen und ein erfolgreiches soziales Engagement äußerst wichtig.

Altersgerechtes spielendes, entdeckendes und lebensnahes Lernen bildet die Basis für die nachhaltige Aneignung von Selbst-, Sach- und Sozialkompetenzen.

Je früher qualitativ hochwertige, kindgerechte Förderangebote geschaffen werden, desto eher lassen sich mögliche Nachteile beseitigen. Vor allem, wenn in Folge das gesamte Bildungssystem aufeinander abgestimmt ist.

 

Herausforderungen

 

Für die meisten Eltern ist es nur schwer möglich den Kindern den vollen Umfang an Förderungen konsequent zu ermöglichen.

Deshalb ist es eine Bringschuld der Gesellschaft bzw. des Staates, allen Kindern den Zugang zu Vorbildung und Bildung bereits früh und umfassend zu bieten. Gerade in Tirol gibt es in den Jahren vor dem Kindergartenbesuch größten Nachholbedarf. Aber auch im Kindergartenbereich gehen die Öffnungszeiten oft an den Lebensrealitäten der Familien vorbei. Nicht nur, dass man davon ausgeht, dass Eltern von 8-12 Uhr arbeiten gehen, Tirol sticht auch mit der österreichweit zweithöchsten Anzahl an Schließtagen hervor. Dies hat unmittelbare Konsequenzen für die Kinder, aber auch für ihre Eltern.

Kinderbetreuung und –förderung ist in Tirol immer noch so aufgebaut, dass sich Kinder und ihre Eltern an die Betreuung anzupassen haben. Anstatt ein Angebot wie in Skandinavien zu schaffen, in dem Eltern ihre Zeit flexibel planen können.

 

Wir legen auch Wert darauf, dass es sich nicht nur um kurzfristige wirtschaftlich-monetäre Vorteile handelt, sondern um langfristige Fortschritte in Lebensqualität und Wohlstand.

 

Bezüglich der Zuständigkeiten von Bund, Land und Gemeinde wird gerade im Bereich Kleinkindbetreuung offensichtlich, wie dringend eine Verwaltungsreform notwendig ist. Hier handelt es sich um ein Konstrukt der Zuständigkeiten, das besonders komplex und nicht nachvollziehbar ist.

 

Vision Tirol 2020

 

Es wird das Potential der frühkindlichen Förderung durch öffentliche und private Einrichtungen erkannt. Kinder werden nicht nur betreut, sondern es werden altersgerechte Fördermaßnahmen spielerischer Art angeboten, die für die Entwicklung der Kinder und die Integration Vorteile bringen.  Auch im integrativen Bereich werden wissenschaftliche Erkenntnisse im gesellschaftlichen Leben Auswirkungen zeigen. Studien zeigten, dass qualitative Frühförderung auch für sozial schwächer gestellte Menschen positive und nachhaltige Effekte bringt. Neben dem privaten Nutzen wird der volkswirtschaftliche Nutzen von Investitionen in die Kinderbetreuung erkannt und bereits spürbar Fortschritte beim Schuleintritt bemerkt.

 

Sprengeldenken gehört der Vergangenheit an. Über Gemeindegrenzen hinweg werden die Stätten gefördert und gemeinsam genutzt. Somit ergeben sich dadurch Möglichkeiten in kleineren Gemeinden.  Eltern haben die freie Wahlmöglichkeit. Das Land trägt die Verantwortung, dass ab dem 1. Geburtstag jedem Kind auf Wunsch der Eltern bzw. Pflegepersonen ein qualitativ hochwertiger Betreuungsplatz zur Verfügung steht.

Fehlende Betreuungsmöglichkeiten sind kein Grund mehr für Landflucht von jungen Familien.

Wie in anderen Ländern, die offen auf die Familien zugehen und entsprechende Möglichkeiten schaffen, steigt die Geburtenrate wieder an.

Die Kleinkindpädagog_innen erfahren eine tiefergreifende Ausbildung entsprechend den Plänen für ein Neues Österreich. Die Entlohnung steigt und damit steigt auch die Wertschätzung für diese Berufsgruppe. Es werden auch mehr Männer als Kleinkindpädagogen gewonnen. Außerdem wird das verpflichtende Weiterbildungsangebot für die Betreuer_innen laufend verbessert.

 

Bund, Land und Gemeinde spielen hier zusammen und es gibt klare Zuständigkeiten. Die existierenden Qualitätskriterien und Bildungsziele werden mindestens eingehalten. Vor Schuleintritt bringen alle Kinder Kompetenzen mit, die einen positiven und gerechten Start in die weitere Bildungslaufbahn ermöglichen.

 

Maßnahmen

 

Die Broschüre „Elementarpädagogik“ und die Pläne für ein Neues Österreich von NEOS geben bereits erste gute Antworten bezüglich sinnstiftender Maßnahmen.

Für Bund, Länder und Gemeinden wird es wichtig sein, hier eine sinnvolle und klare Aufteilung der Zuständigkeiten zu schaffen.

Sämtliche Kompetenzen, wie Ausbildung, Festsetzen von Qualitätskriterien etc., werden bundesweit gebündelt.

Bis dorthin sind in Tirol folgende Maßnahmen wichtig:

 

  • Festsetzen von mindestens folgenden Qualitätskriterien
    • Maximale Gruppengröße

 

  • Höchstzulässiger Betreuungsschlüssel

 

  • Anteil von Elementarpädagog_innen am Gesamtpersonal pro Gruppe

 

  • Höchstzulässige Jahresschließzeiten, die sich an den Lebensrealitäten orientiert

 

  • Räumliche und ausstattungsmäßige Mindeststandards

 

  • Qualifikationserfordernisse für die einzelnen Berufsfelder im Bereich der elementaren Bildung

 

  • Qualitätsvolle Maßnahmen zur Entwicklungsförderung und Gesundheitsförderung

 

  • Koppelung der Förderung von öffentlicher Hand an die Einhaltung der genannten Qualitätskriterien

 

  • Die Einrichtungen werden der Sprachenvielfalt gerecht.

 

  • Eltern werden nach Möglichkeit verstärkt mit einbezogen in der Gestaltung und im Feedbackprozess, aber auch mittels gemeinsamer Veranstaltungen, die auch integrativen Charakter haben.

 

  • Die Versorgungssicherheit wird vor Ort sichergestellt.

Jede Familie und damit jedes einzelne Kind hat Anspruch auf einen qualitativ hochwertigen Betreuungsplatz ab dem 1. Lebensjahr. In kleineren Gemeinden müssen dazu gemeindeübergreifend Einrichtungen und Transportmöglichkeiten geschaffen werden.

Dies kann von öffentlicher Hand oder aber auch privat, zum Beispiel in Form von selbstorganisierten Kindergruppen, gefördert durch die öffentliche Hand, geschehen. Es kann aber auch eine Zusammenarbeit mit den Kindergärten angedacht werden. In größeren Gemeinden ist der Betreuungsplatz vor Ort zu gewährleisten.