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NEOS fordern echte Schulreformen in Tirol

Schulautonomie fördern, Pragmatisierungen entschärfen, Deutschunterricht für Kinder anderer Muttersprachen anbieten, Nachmittagsbetreuung ausbauen, Schulsprengel und Parteibuch abschaffen, Wertschätzung für Lehrpersonal stärken

Pünktlich zu Schulbeginn meldet sich Tirols NEOS Bildungssprecherin Dagmar Klingler zu Wort: „Wir brauchen endlich eine echte Reform des Schulsystems in Tirol.“ Die ohnedies schwache Schulautonomie unseres Landes ist derzeit durch die Bundesregierung gefährdet: Türkis-Blau will die Schulnoten in der Volksschule wieder verpflichtend einführen. Das verstaubte Lehrerdienstrecht muss dringend überarbeitet werden: Besonders die Pragmatisierung der Landeslehrer  gehört entschärft. Dringend abgeschafft werden müssen die Schulsprengel: Sie engen Eltern bei der Schulwahl für ihre Kinder ein. Die Nachmittagsbetreuung der Schulkinder muss endlich flächendeckend funktionieren. Das Parteibuch und damit die Politik gehören endlich  aus der Schule verbannt. „Unsere Lehrer sind schließlich der wichtigste Berufststand in der Republik“, betont Klingler. „Sie bilden unsere Kinder für die Zukunft aus: Politik, Bürokratie und verkrustete Strukturen behindern die Schulbildung der Kinder.“

Vollautonomie für Schulen, mündliche Beurteilung beibehalten

„Wer mündige Kinder will, braucht eine mündige Schule“, kommentiert Klingler die Bestrebungen der türkis-blauen Bundesregierung, wieder Schulnoten einzuführen und damit die Schulautonomie in Tirol zu beschneiden. „Wir wissen, dass Schulnoten in der Grundschule keinen Mehrwert für unsere Kinder haben.“ In der Volksschule (1.-3. Schulstufe) steht es den Schulgemeinschaftsgremien derzeit frei, ob eine Beurteilung mittels Schulnoten oder einer mündlichen Beurteilung erfolgt. „Die Politik soll sich dabei raus halten, das sind pädagogische Entscheidungen“, ärgert sich Klingler. Aufgabe der Politik ist es lediglich, die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für Schulen herzustellen, damit Lehrer sich mit voller Kraft ihren Schülern widmen können. „Dazu gehören auch Autonomie für Lehrinhalte und die Finanzen der jeweiligen Schule“, ergänzt die Direktorin.

Pragmatisierung entschärfen, Freiheit bei Personalentscheidungen

Grundlage von Personalentscheidungen ist der Dienstrang, nicht jedoch die Begabung und das Engagement der Pädagogen. Direktoren sind damit bei Personalentscheidungen die Hände gebunden. Für pragmatisierte Landeslehrer entstehen damit etliche Vorrechte, was Versetzungen, Anstellungsausmaß und Kündigungen betrifft: Das ist vor allem bei Problemlehrern eine prekäre Angelegenheit. „Unkündbare Problemlehrer können lediglich von einer Schule zur nächsten weitergereicht werden, allerdings auch auf eigenen Wunsch“, erklärt Klingler. Gegen ungeeignete und unfaire Lehrkräfte, oder solche, die dem Schulschwerpunkt nicht gerecht werden, gibt es daher keine Handhabe: „Bei Problemlehrern wird massiv deutlich, dass die Pragmatisierung aufgeweicht werden muss. Eine schlechte Lehrqualität muss bei allen Pädagogen Konsequenzen haben, auch bei Pragmatisierten. “

 

Deutsch für Kinder anderer Muttersprachen

Sprache ist die Grundlage zur Verständigung und der Schlüssel zum Erfolg in der weiterführenden Bildung. Derzeit ist Förderunterricht in Deutsch nur ab der Note 3 oder bei einem außerordentlichen Status in ausreichender Kinderzahl möglich. Studien belegen hingegen, dass Deutsch als Zweitsprache tiefergehende Zusatz-Förderung benötigt. „Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache sollen daher diese Förderung unabhängig von Noten oder Status bekommen.“ Andernfalls werden ihnen Chancen zum Besuch weiterführender Schulen genommen. „Deutsch als Zweitsprache muss für alle betroffenen Kinder ohne Einschränkungen zusätzlich zum normalen Deutschunterricht erfolgen“, fordert Klinger. Für gelungene Integration braucht es außerdem mehr Personal und Stundenkontingente, ansonsten geht das zu Lasten aller Schulkinder. Nur so können Talente gefördert werden.

 

Schulsprengel abschaffen, Wettbewerb fördern

Eltern können aufgrund der bestehenden Schulsprengel nicht selbst entscheiden, in welche Schule ihre Kinder gehen dürfen. Der Wohnort entscheidet über die Schule. „Die Schulsprengel gehören abgeschafft!“, fordert Klingler. Das hätte folgenden Vorteil: Eltern können selbst entscheiden, welche Schule für ihr Kind die beste ist. Für die Schulen würde so eine gesunde Wettbewerbssituation entstehen: Beispielsweise können besondere Schwerpunkte und eine ausgedehntere Nachmittagsbetreuung besondere Anreize für Schüler sein. „Gemeinden müssten ihre Schulen auf den neuesten Ausstattungsstand bringen und nicht nur ein paar Vorzeigeschulen aufzurüsten.“

 

Nachmittagsbetreuung familienfit machen

Die Nachmittagsbetreuung ist noch immer nicht familiengerecht ausgebaut: Der Bund verpflichtet Schulen zu einer flächendeckenden und zeitdeckend Betreuung, die Gemeinden reagieren jedoch willkürlich, das Land Tirol gibt sich zahn- und wehrlos. In vielen Gemeinden ist die Nachmittagsbetreuung gut ausgebaut, in anderen wieder nicht; mit folgendem Problem: „Vielerorts beginnt die Nachmittagsbetreuung erst ein paar Tage nach Schulbeginn, beispielsweise in Innsbruck.“ Die Nachmittagsbetreuung muss jedoch zeitgleich mit der Schule beginnen, weil Eltern ihrem Beruf unabhängig von der Nachmittagsbetreuung nachgehen müssen.

 

Parteibuch raus aus der Schule, Wertschätzung steigern

„Bildung braucht kein Parteibuch!“ ärgert sich Klingler über den hohen Einfluss der Politik in der Schule. „Bildung heißt, Kinder wertschätzend auf die Zukunft vorzubereiten, den Kindern die Flügel zu heben. Die Politik hat dabei nichts verloren.“ Die alleinige Aufgabe der Politik sieht Klingler darin, Rahmenbedingungen zu schaffen, welche die Schulen fordern, damit Lehrer unseren Kindern die beste Bildung bieten können – das geht auch ohne Parteibuch. Unsere Schulen sind einer ständigen politischen Entwicklung ausgesetzt: Noten, Ganztagesklassen oder Inklusion sind wiederkehrende Themen. Pädagogische Grundsätze spielen dabei keine Rolle. Schulen müssen lediglich umsetzen, was die jeweilige Regierung umsetzen will – oftmals gegen die Überzeugung der jeweiligen Lehrpersonen und Eltern. „Oft stopfen wir nur jene Löcher, welche die Politik offen lässt; das hat mit Pädagogik wenig zu tun.“ ärgert sich Klingler.