« Zurück zur Übersicht

Lehrberuf modernisieren und dadurch Ausbildung verbessern

06.09.2018 Edith Reichel

Fachkräftemangel vorbeugen, Lehre darf keine Sackgasse sein und muss Möglichkeiten schaffen

Österreich leidet seit Jahren unter einem akuten Fachkräftemangel: Unternehmen finden kaum ausgebildetes Personal – vor allem der Mittelstand kämpft. Mehr als die Hälfte der heimischen Unternehmen klagt bereits über Umsatzeinbußen, die auf Personalnot zurückführen sind. Im Westen Österreichs gestaltet sich die Personalsuche für Betriebe noch schwieriger. NEOS Landtagsabgeordneter Andreas Leitgeb zeigt auf, dass nach heutigem Stand in wenigen Jahren jede dritte Berufsschule wegen des Lehrlingsmangels geschlossen sein wird: „Die Generation von heute legt sich erst nach dem 14. Lebensjahr auf einen Beruf oder eine Schule fest. Niemand will zu früh eine Lehre beginnen.“ Die Zahl der Maturant_innen, die eine Lehre anschließen, stieg dagegen hingegen in den vergangenen vier Jahren um rd. 37 Prozent.

Halten statt spalten

Das derzeitige Lehrsystem spaltet die Gesellschaft, verschlechtert den Lehrberuf und damit den Standort Tirol. Klassische Lehrberufe führen derzeit in eine Sackgasse, weitere Ausbildungen wie eine Matura können schwer angeschlossen werden. „Jugendliche, die eine Lehre mit 14 Jahren beginnen, tun sich später schwer, eine Matura anzuschließen“, erklärt Leitgeb: „Das schadet dem Wirtschaftsstandort Tirol!“ Bildung und Ausbildung wären jedoch der Schlüssel für erfolgreiche Standortpolitik unseres Landes, dazu gehören moderne Ansätze für den Lehrberuf.

Andreas Leitgeb fordert daher folgende Maßnahmen für einen modernen Lehrberuf:

  • Praxisbezug in der Schule stärken: Die Lehre beginnt eigentlich schon in der Schule. Deshalb muss der Praxisbezug im Unterricht stärker werden, unter anderem mehr Berufsorientierung in der Schule oder bei der Weiterbildung von Lehrer_innen (z.B. Betriebspraktika als anrechenbare Aus- und Fortbildung).
  • Start einer MINT-Initiative: Um dem Fachkräftemangel in technisch-naturwissenschaftlichen Berufen entgegenzuwirken, soll durch eine MINT-Initiative (MINT: Mathematik, Informatik, Technik und Naturwissenschaften) der Zugang zu diesen Berufen attraktiver gemacht und erleichtert werden (etwa durch eigene MINT-Volksschulen).
  • Lehre modularisieren: „Ein Modulsystem für alle Lehrberufe garantiert, dass unsere Jugend passgenaue Inhalte lernt und veraltete Techniken und Informationen der Vergangenheit angehören“, erklärt Leitgeb. Die Module werden alle fünf Jahre durch unabhängige Experten aus der Wirtschaft evaluiert. Der modulare Aufbau erleichtert den Umstieg in andere Berufe, da nur fehlende Module absolviert werden müssen und keine komplette Ausbildung.
  • Vom Meister zum Master: Wer Lehrabschlussprüfung, Matura und Meisterprüfung erfolgreich absolviert hat, soll einen Bachelor-Titel verliehen bekommen, wenn der Umfang der Ausbildung und der anrechenbaren Berufspraxis dies nach dem Bologna-System erlaubt. „Damit steht dem Meister oder der Meisterin auch der Weg zum Master offen“, betont Leitgeb.
  • Tourismus- und Landwirtschaftsschulen zusammen denken: Schüler der Tourismus- und der Landwirtschaftsschulen sollen wechselseitig ihre Schulen auf Zeit tauschen können. Hintergrund ist folgender: „Angehende Landwirte müssen wissen, was Gastronomie und Hotellerie von Produkten aus der Landwirtschaft fordern.“