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Klassenforum, Schulforum&Co: Schule und Eltern

Es ist wieder die Zeit: Zu Schulbeginn werden Eltern gern in die Schule geladen, erhalten Informationen zu geplanten Aktivitäten im neuen Schuljahr und dürfen (oder müssen – das Gesetz sieht das vor) über einzelne Aktivitäten abstimmen. Das Ganze nennt sich Schulpartnerschaft.

Schulpartnerschaft?
Die „Partnerschaft“ ist allerdings leider oft recht ernüchternd. Es ist zwar sehr erfreulich, dass auch Eltern Informationen erhalten, aber das Mitspracherecht beschränkt sich in vielen Fällen auf die Möglichkeit, zu den vorgeschlagenen Punkten ja oder nein zu sagen. Sogar ein „nein“ ist dabei häufig schon eine eher theoretische Alternative. Kritische Fragen oder alternative Vorschläge sind eigentlich nicht vorgesehen, auch in vielen Schulgemeinschaftsausschüssen der weiterführenden Schulen, in denen im Rahmen der Schulpartnerschaft auch Schüler ein „Mitspracherecht“ haben.

Vor allem im sogenannten Schulforum, zu dem die Lehrer und Elternvertreter aller Klassen geladen sind, blieb bei mir oft ein schaler Nachgeschmack, weil ich mich wie in einem abgekarteten Spiel  gefühlt habe. Die schulautonomen, freien Tage waren schon vorab fixiert, Schulentwicklungsprojekte ohne Stellungnahme von  Eltern abgeschlossen und nur mehr abzunicken. Für „Allfälliges“ von Elternseite war die Zeit dann leider auch zu knapp.

Die Partnerschaft ist in vielen Schulen ziemlich einseitig. Sie wird beschworen, wenn es darum geht, dass Eltern Geldmittel für die Schule auftreiben oder bei Veranstaltungen mithelfen. Auch Unterstützung bei den Hausübungen oder Mithilfe bei „schwierigen“ Schülern ist erwünscht. Daran ist nichts auszusetzen. Solche Aufgaben sind aber halt nur eine Seite der Medaille.  Viele Eltern können und wollen auch noch ganz andere Dinge. Und auch die Schüler haben viele konstruktive Ideen und Vorschläge für Neues: Auch Eltern und Schüler wollen echte Verbesserungen für Schule und Schüler bewirken, Missstände (ja die gibt es!) beseitigen, neue Initiativen starten, neue Möglichkeiten realisieren helfen und nicht nur abstimmen.

Kommunikation: One way only?
Ein Forum, bei dem echte Anliegen auf Augenhöhe diskutiert oder gar umgesetzt werden, gibt es nur in wenigen Schulen. Die klassischen Sprechstunden dienen primär der Information über den Schüler und nicht dem Feedback an die Lehrenden. Abgesehen davon finden sie nach wie vor dann statt, wenn eh keiner Zeit hat. Emailadressen werden nur vereinzelt  und zaghaft kommuniziert.  Ehrliches Feedback in die andere Richtung – von Eltern- oder Schülerseite Richtung Schule oder Lehrperson – ist selten vorgesehen und noch seltener erwünscht. Viele Schulen wollen lehren aber nicht unbedingt lernen – und von Eltern und Schülern schon gar nicht. Versuchtes Feedback wird oft als „Einmischung“, „Druck“ weg argumentiert oder einfach ignoriert.

Leider geht so viel Dynamik, viel Innovationskraft und viel Engagement verloren –alles Dinge, die das österreichische Schulsystem dringend benötigen würde, und zwar unabhängig davon, ob es um Neue Mittelschulen, Gemeinsame Schule bis 14 oder Gymnasium geht.

Mehr Eltern- und Schülerbeteiligung und Feedback- der Weisheit letzter Schluss?
Nein, aber eben auch ein Baustein auf dem Weg zu einer zeitgemäßeren und besseren Ausbildung der jungen Menschen in unserem Land.