« Zurück zur Übersicht

Die Baustelle Innsbruck

Scheinbar liegt es in der Natur der Sache: Bürgermeister_innen bauen gerne. Damit hat das Land schon reichlich Erfahrungen. Leider geht nicht jedes Konzept auf und nicht selten bleiben die Steuerzahler_innen auf Millionenforderungen alleine sitzen. Davon kann nicht nur Matrei in Osttirol, dank Rekordverschuldung österreichweit in den Schlagzeilen, ein Lied singen.

Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer sieht sich selbst in der Tradition ihrer Vorgänger. Zweifelsfrei haben Herwig van Staa und Hilde Zach die Stadtentwicklung geprägt und dabei großes Geschick bewiesen. Zahlreiche zukunftsweisende Projekte wurden rasch und unbürokratisch umgesetzt – das Stadtbudget dabei aber nie sonderlich belastet. Das Image einer Macherin möchte ich der Bürgermeisterin auch gar nicht absprechen, bei den aktuellen Großbaustellen der Stadt besteht aber zunehmend Gefahr, dass sich die Politik übernimmt. Nicht nur finanziell.

Große Pläne, kleiner Wurf: Haus der Musik

Ein wirklich großer Wurf hätte das Haus der Musik werden können. Heldenhaft der persönliche Einsatz von Oppitz-Plörer, die im Vorfeld mehrfach von Landes- aber auch Bundesebene bei der Finanzierung gefoult wurde. Ein „neues Zuhause für Tirols größten Klangkörper“ (das Tiroler Symphonie Orchester) wurde via Medien versprochen.

Zwar werden gesamt 60 Millionen Euro investiert, das „neue Zuhause“ wird aber nur aus Probe- und Verwaltungsräumen bestehen. Für die gutbesuchten Konzerte wird das Tiroler Symphonie Orchester auch weiterhin in den Allzwecksaal Tirol, im Congress Innsbruck, ausweichen müssen. Ebenso wie die bekannten Meisterkonzerte, anlässlich derer weltweit bekannte Orchester in Innsbruck gastieren.

In Wirklichkeit wird das Haus der Musik eine Bibliothek, einen Stadtsaal, Proben- und Verwaltungsräume, sowie die Kammerspiele beherbergen. Ein großer Wurf sieht anders aus. Bei einer so hohen Investitionssumme hätte man auch einen Konzertsaal erwarten dürfen. Damit wäre wenigstens ein Bruchteil der Investitions- und Betriebskosten wortwörtlich wieder hereingespielt worden. Das neue Festspielhaus in Erl (1100 Sitzplätze) mit Probenbühne, 380 Tiefgaragenplätze, 20 Betriebswohnungen etc.) hat komplett 10,5 Millionen Euro gekostet.

So wird zukünftig im Haus der Musik geprobt, im nicht nur akustisch katastrophalen Saal Tirol gespielt. Traurig!

Unter den knapp 1.000 Abonnent_innnen der Meisterkonzerte gibt es viele, die sich auf den neuen Konzertsaal im Haus der Musik freuen. Sie wissen nur noch gar nicht, dass es sich dabei nur um Probenräume handelt.

Haus der Musik - Baustelle
Haus der Musik – Baustelle

Millionengrab Patscherkofel

„Mit der Patscherkofelbahn hat noch nie jemand Geld verdient“ urteilte der ÖSV Präsident und frustrierte Bergbahneigentümer Peter Schröcksnadel vor Jahren in der Presse. Fehlenden Einsatz kann man ihm nicht vorwerfen. Er baute nicht nur den Olympiaexpress, investierte in Beschneiungs- und Lichtflutanlagen, brachte den Welt- und Europacup auf den Kofel und durfte sich Dank vertraglicher Bindung ein Jahrzehnt mit der nostalgischen Pendelbahn herumschlagen. Deren geplante Einstellung nahm die Stadt zum Anlass die gesamte Anlage für 10,7 Millionen Euro rückzukaufen.

Der anfänglichen Euphorie folgte baldige Ernüchterung, als Einheimische, Gäste und Touristiker in der darauffolgenden Wintersaison mit einem Betriebschaos konfrontiert waren. Dutzende Beschwerden, Leserbriefe, Blogeinträge und negative Bewertungen bezeugen dies.  Die Pendelbahn wurde selbstverständlich sofort eingestellt. Was Schröcksnadel verwehrt blieb, war für die Stadt außer Diskussion.

Anstatt eines sparsamen Winterbetriebes, der auch ohne Pendelbahn und Neuinvestitionen reibungslos funktioniert hätte, fühlte man sich von internationalen Studien bestätigt, den Patscherkofel als Sommerberg umzupositionieren. Mit Investitionen in Höhe von zusätzlichen 23 Millionen (zum Kaufpreis dazu) soll das nun gelingen.

Eines stellt selbst die Stadt nicht in Frage,  der Winterbetrieb rechtfertigt diese Investitionen nicht. Aufgrund der geographischen Lage ist der Patscherkofel sehr wetteranfällig, an (den reichlichen) Föntagen steht der Betrieb. Außerdem ist eine Beschneiung nur sehr schwierig möglich. Eine neue Gondelbahn und ein Speichersee machen aus dem Patscherkofel aber auch zukünftig keine Sommerdestination. Unbestritten bleibt der Berg Naherholungs- und ein super Wandergebiet. In Igls fehlen aber vor allem die Hotelbetten, um die Bahn erfolgreich betreiben zu können. Und ganz ehrlich, ich kenne keine Bergbahn, die nur vom Sommerbetrieb leben kann. Das gesamte Konzept ist zum Scheitern verurteilt und wird die Steuerzahler_innen Jahrzehnte verfolgen. Nicht nur, dass sich die Investitionen nie rechnen werden, der laufende Betrieb wird Unsummen verschlingen.

Viel klüger wäre gewesen, den Patscherkofel mit dem vorhandenen Liftangebot als kleines Skigebiet, kostengünstig weiterzuführen. Sowohl Einheimische als auch Gäste hätten von günstigen Liftkarten profitiert.

Stadtbibliothek – Kosten von mehr als 400 Euro pro Buch

Kolportierte 23 Millionen Euro investiert die Stadt in den Kauf und die Ausstattung von Räumlichkeiten im neuen Pema II. Turm. Platz finden sollen neben einem „Stadtmodell“ (dessen Sinnhaftigkeit mehr als fragwürdig ist), eine Galerie und die Städtische Bibliothek. Für fast ein Viertel der Fläche ist man noch auf Ideenfindung – sprich, man hat keine Ahnung, was man mit den gekauften Räumlichkeiten anfangen soll.

Unter dem Deckmantel „Innsbruck liest“ wird ein fragwürdiger Immobiliendeal abgewickelt. Ich bezweifle überhaupt nicht die Notwendigkeit einer neuen Stadtbibliothek, die erwarteten Kosten stehen aber in keinem Verhältnis zu dem Nutzen. Die Bibliothek beherbergt 45.000 Bücher. Pro Buch entstehen so über 400 Euro Baukosten.

Außerdem würde ich mir wünschen, dass man nicht nur über Millioneninvestitionen diskutiert. Die Stadtpolitik sollte sich auch mal über Öffnungszeiten und Serviceleistungen Gedanken machen. Zum Beispiel verstehe ich nicht, warum die Stadtbibliothek nur knapp 40 Stunden pro Woche geöffnet ist, während der Buchhandel mindesten 60 Stunden verfügbar ist. Das Bestellsystem ist antiquiert und absolut nicht kundenfreundlich, ebenso die Internetpräsenz. Mit wenig Aufwand könnte man schon heute die Servicequalität wesentlich verbessern.

 

PEMA III - Baustelle
PEMA II – Baustelle

Tekturänderungen, Widmungen und die Angst vor „Motel One“

Im Zusammenhang mit dem Pema II. Turm haben nachträgliche Tekturänderungen für Schlagzeilen in der Presse gesorgt. „Die Nutzung wechselt auf Zuruf“, urteilte der SPÖ Stadtvorsitzende, Helmut Buchacher im Gemeinderat. Betrachtet man noch die mehr als abenteuerliche Widmungspolitik der Stadt in Bezug auf das Privathaus des PEMA Eigentümers Schafferer in Hötting, kann man die Sorgen der Innsbrucker Hotellerie und des Tourismusverbands schon verstehen.

Im Pema III. Turm soll ein 300 Zimmer „Motel One“ Hotel entstehen. Dafür sind nicht unbedenkliche Umwidmungen nötig. Persönlich bin ich ein großer Fan der Marke und begrüße es sehr, dass mit dem Projekt der PEMA ein idealer Standort für „Motel One“ gefunden wurde. Einzig die Größe und bauliche Dimension kann und will ich mir gar nicht vorstellen.

Privatwirtschaft raus – Bürokratie rein

Ein Schildbürgerstreich der Extraklasse erwartet die Tiroler Steuerzahler_innen mit dem neuen „Tirolhaus“. In einem intransparenten Immobiliendeal kaufte das Land Tirol das Hilton Hotel. Grundstückseigentümerin war die Stadt. Mit dem Hoteleigentümer wurde zusätzlich ein „Tauschgeschäft“ geschlossen, die freiwerdenden MCI Räumlichkeiten, werden zukünftig dem Hotel „Grauer Bär“ angeschlossen. Was mit dem Casino Standort passiert, ist nicht bekannt. Das, dem Hotel vorgelagerte, „Haus der Industrie“ soll aber noch vom Land gekauft werden. Verhandlungen mit den zig Eigentümern, die teilweise schon das große Geschäft riechen, werden geführt.

Der Landeshauptmann will sich mit einem riesigen Verwaltungszentrum, bestehend aus Landhaus I. + II. und dem neuen „Tirolhaus“ im Stadtzentrum verewigen. Das ist vor allem auch deshalb bedauerlich, weil Günther Platter in finanzieller Hinsicht ordentlich arbeitet und im Gegensatz zu seinen Kollegen keine Schuldenpolitik betreibt. Beim „Tirolhaus“ spielt scheinbar Geld keine Rolle. Das „neue Dach“ über der Tirol Werbung, Standortagentur, Agrarmarketing und Landesbaudirektion ist dem Landeshauptmann kolportierte 130 Millionen Euro wert. Ob die bisher 14 Stockwerke dafür ausreichen, wird gerade mit einer 100.000 Euro Studie aufwendig geprüft.

Sicher ist nur: Innsbruck verliert sein einziges Internationales Markenhotel. Der Standort für einen Hotelbetrieb war optimal: direkte Anbindung zum Casino und der Maria-Theresien-Straße, in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof, mit eigener Vorfahrt, ausreichend Tiefgaragenplätzen und großzügigen Kongressräumlichkeiten. In der Vergangenheit ein Erfolgskonzept, wie die Nächtigungszahlen der vergangen Jahrzehnte eindrucksvoll beweisen.

Immer mehr Büro- und Verwaltungsbetriebe zieht es aus dem teuren Stadtzentrum an die Peripherie, beispielsweise die von der Tirol Werbung gegründete ehemalige Tochter Tiscover oder verschiedene Banken. „Städtebaulich könnte man das Areal wesentlich besser nützen“ ist sich Pema-Investor Schafferer in der Tiroler Tageszeitung sicher. Wertvoller Wohnraum für Einheimische und Gäste könnte entstehen – trotzdem wird großzügig Platz geschaffen für Verwaltung und Bürokratie.

Vier Projekte und Kosten von über 260 Millionen Euro

Zusammenfassend darf ich feststellen, dass die vier Projekte mindestens 260 Millionen Euro kosten werden. Aus Erfahrung kann man davon ausgehen, dass es sich dabei um eine Untergrenze handelt. Für eine Stadt mit 122.000 Einwohnern recht viel Geld. Dabei habe ich die wirklich großen Projekte, wie die Regionalbahn und das MCI noch gar nicht angesprochen.

Wie auch immer die nächsten Gemeinderatswahlen in Innsbruck ausgehen, rechtzeitig zum Wahltermin werden die Bürger_innen sich ein erstes Bild von den oben besprochenen Projekten machen können. Allesamt sollen 2018 fertiggestellt oder im Fall des Hilton-Areals zumindest begonnen worden sein. Ein Schelm wer Böses denkt.

Das Macherimage alleine wird Christine Oppitz-Plörer nicht im Bürgermeistersessel halten. Dazu braucht es schon deutlich mehr!