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Das Millionengrab Patscherkofel: Sollen sie doch Kuchen essen. Und Skifahren!

16.02.2017 Florian Kahn

Nun bekommen wir in Innsbruck also unsere topmoderne Seilbahn auf den Patscherkofel. Obendrauf

gibt es noch einen schönen Betonblock – irgendwo muss die Bahn schließlich hinführen.

58 Millionen Euro soll uns der Hausberg nun kosten, also fast doppelt so viel wie zu Beginn

beschlossen wurden. Als gelernter Österreicher bin ich ja darin geübt, das exorbitante Steigen von

Projektkosten nicht mehr allzu emotional zu sehen, dennoch ärgert mich beim Kofel eine Tatsache

gewaltig: Warum fragt man bei solchen Investitionssummen nicht die, die es bezahlen müssen? Wir

reden von etwa 800€ pro wahlberechtigtem/r Innsbrucker_in!

Und dabei handelt es sich nur um die Initialkosten. Zukünftige Generationen von Innsbrucker_innen

werden noch jahrzehntelang die Defizite übernehmen dürfen, die ein Skigebiet machen muss, das

sich in einem Föhnloch befindet und zehn besser ausgebaute Konkurrenten in der direkten

Nachbarschaft hat.

 

Das Familienskigebiet?

Immer wieder wird damit argumentiert, dass man den Patscherkofel für die Innsbrucker Familien

erhalten muss. Unsere Kinder sollen doch zu leistbaren Preisen Schifahren lernen. Ich halte dies

durchaus für ein gerechtfertigtes Argument, kann aber als Vater von zwei Kindern sagen: NEIN

danke, nicht für diese Investitionssumme! Auch muss uns klar sein: Die mögliche Vergünstigung beim

Skifahren bezahlen dennoch wir – halt etwas versteckt über Steuern, Abgaben und Gebühren.

 

Zukunftsfit geht anders!

Als junger Mensch, mit zwei noch viel jüngeren Kindern, fühle ich mich gerade vor den Kopf

gestoßen. Die Innsbrucker Politik entscheidet für mich, dass ein Schigebiet am Patscherkofel doch

wichtig sei, damit ich mit meinen Kindern zu vernünftigen Preisen Skifahren kann. Mir wäre es aber

lieber, wenn wir dieses Geld in Kinderbetreuung investieren, in Projekte für leistbares Wohnen oder

in eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung für Innsbruck.

Etwas frei interpretiert nach Marie Antoinette:

„Wenn sie sich das Leben nicht leisten können, sollen sie doch Skifahren!“

 

Vertrauen in die Menschen

Bei Projekten in dieser Größenordnung erwarte ich mir, dass die Bevölkerung befragt wird. Wir

können und wollen selber darüber entscheiden, wofür wir viele Millionen ausgeben wollen. Das

Gegenargument „Politiker_innen werden dafür gewählt zu entscheiden“ lasse ich nicht gelten, denn bei

Projekten in dieser Größenordnung geht es um Entscheidungen für viele Jahrzehnte, also einen

Zeitraum, in dem die gewählten Mandatar_innen ihre Verantwortung schon lange abgegeben haben.

Es braucht Vertrauen in die Menschen und Transparenz! Wie es um die Transparenz bei solchen

Projekten in Innsbruck bestellt ist, kann man spätestens seit dem Austritt von Gemeinerätin

Herlinde Keuschnigg aus dem FI-Club erahnen….