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#brexit – über Britischen Humor, Unsicherheit, Wirtschaft, Reisen und Studieren.

27.06.2016 patrickberger

Das Wahlergebnis am 23. Juni 2016 in Großbritannien erscheint aus vielerlei Hinsicht wie eine schwarze Pointe des bekannten britischen Humors. Wir leben in unsicheren Zeiten. Die Flüchtlingskrise hat uns härter getroffen, als wir jemals zulassen hätten dürfen. Europa als Einheit und die einzelnen Mitgliedsstaaten, denn wir alle sind Europa, haben noch keine passenden Lösungen gefunden. Diese Trägheit unserer Entscheidungen schürt das Gefühl der Unsicherheit in jeder_m EU-Bürger_innen. In Österreich hat bei der letzten Präsidentenwahl noch knapp die Vernunft gesiegt und nicht dieses beunruhigende Gefühl. In Großbritannien hat nun die Unsicherheit gesiegt und jetzt kommt die Pointe. Ironischerweise oder vielleicht sogar logischerweise sehen wir nun anhand dieses Beispiels, dass aus Unsicherheit nur noch mehr Unsicherheit entsteht.

 Die britische Wirtschaft ist jetzt unsicher. Das zeigt der Absturz des britischen Pfund Sterling und des britischen Leitindex. Adam Smith, ein Schotte und damit Brite, gilt als Begründer der modernen Ökonomie und stellte schon vor über 200 Jahren den Wert der Arbeitsteilung fest. Produkte und Dienste sollen dort hergestellt werden, wo sich die Produktion am Effizientesten gestalten lässt. Deshalb werden Bananen auch nicht in Gewächshäusern in Österreich im großen Stil angebaut. Das britische Empire nutzte diesen Grundsatz in vorbildlicher Weise über Jahrhunderte. Nun führt der Kurssturz des Pfund dazu, dass Importe aus britischer Sicht wesentlich teurer werden. Wer sich Autonomie wünscht, muss diesen Geist auch voll Leben und büßt die Vorteile einer globalen Arbeitsteilung ein. Es ist unsicher, wie die britische Wirtschaft damit umgehen wird und gerade die Finanzdienstleister werden diesen Geist wohl nicht mehr so schnell los.

 Das britische Volkshobby Reisen ist unsicher. Briten reisen gerne um die Welt. Durch die Abwertung des Pfund wird dieses Hobby teurer und die unsichere Wirtschaft wird die Möglichkeiten für Auslandsreisen zusätzlich reduzieren. Die Reisepläne vieler Briten sind also unsicher. Zudem stürzt dieser Umstand auch die Tourismusindustrie in vielen anderen Ländern, darunter Österreich, in eine große Unsicherheit.

 Abschließend noch ein ganz persönlicher Fall von Unsicherheit. Ein Familienmitglied von mir studiert derzeit in Schottland. Seine Unsicherheit kann sich nun jeder gut vorstellen. Er weiß nicht, ob er sein Studium dort abschließen kann. Er weiß nicht wie viel Zeit er noch hat und er weiß nicht, wie es weiter gehen soll, wenn die Zeit nicht mehr ausreicht, um zumindest den Bachelor zu machen. Diese Unsicherheit teilen alle Briten, die in der EU studieren und arbeiten. Außerdem wissen die EU-Bürger_innen nun nicht, wie es mit diesem Friedens- und Wirtschaftsprojekt Europa weiter gehen soll. Und nun darf jeder lachen, der diese Pointe verstanden hat.
Es wird mit Argumenten der Unsicherheiten (die Flüchtlinge machen anscheinend die Arbeitsplätze und das Land unsicher, die Regulierungen der EU erzeugen angeblich Unsicherheit für die Wirtschaft) ein Wahlkampf gewonnen und die Trophäe dieses Sieges ist nur noch mehr Unsicherheit. Ich finde diesen Witz nicht lustig und hoffentlich bleibt er Österreich erspart.