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„Bitte, leise!“ – NEOS zu Umgebungslärm-Aktionsplänen 2018: Es braucht wohlüberlegte Schritte

19.07.2018 Edith Reichel

Die österreichischen Umgebungslärm-Aktionspläne aus dem Jahr 2013 wurden heuer überarbeitet. Gestern endete die Frist für Stellungnahmen, die auch die Tiroler NEOS genutzt haben, um Ihre Forderungen einmal mehr zu artikulieren. Dabei ist es NEOS-Verkehrssprecher und Landtagsabgeordneten Andreas Leitgeb besonders wichtig, die Gesundheitsgefährdung zu verdeutlichen und die allgemeine Lärmbelastung der Anrainer_innen greifbar zu machen. Schließlich stelle Tirol durch seine geographische Enge einen Sonderfall in der Schallverbreitung dar: „Der Umgebungs- und Verkehrslärm multipliziert sich durch die Trichterform der Täler und die umschließenden Gebirgszüge.“

Laut werden gegen Bahnlärm: Bis zu 60 Dezibel durch Schienenverkehr

Andreas Leitgeb will sich dabei aber nicht nur auf den Straßenlärm beschränken: „Besonders im Wipptal, im Unterland und auch auf der Arlbergstrecke spielt für die Bevölkerung der Lärm durch die Schiene eine große Rolle“, weiß Leitgeb durch Bürger_innengespräche vor Ort.: „Die Lärmentwicklung in den betroffenen Gebieten ist der von Autobahnen gleichzusetzen. Die Leute sind täglich Lärmpegeln von fast 60 Dezibel ausgesetzt. Kombiniert mit dem Lärm der Autobahn, sowie eines entgegenkommenden Zuges wird in dieser Entfernung dieser Richtwert jedoch deutlich überschritten.“

Eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene wird auch automatisch zu einer Erhöhung der Anzahl der geführten Züge führen und die Werte werden sich besonders während der Nacht drastisch erhöhen, will der NEOS-Landtagsabgeordnete auch in die Zukunft blicken: „Es ist also unumgänglich, dass eine Verlagerung des Transitverkehrs auf die Schiene mit lärmreduzierenden Maßnahmen begleitet werden muss.“ Eine Führung des Güterverkehrs durch den Brennerbasis-Tunnel würde in Zukunft nur auf der Brennerbahnstrecke Abhilfe schaffen. Es brauche aber ein großes Maßnahmenpaket für andere Teile Tirols: „Würden Güterwaggons mit Flüsterbremsen aufgerüstet, kann der Lärmpegel um 10dB verringert werden“, weiß der Verkehrsexperte: „Lärmschutzwände sind durch die geographischen Gegebenheiten der Tiroler Täler meist nur bedingt wirksam. Zur Lärmminderung müssen daher weitere Maßnahmen am Gleiskörper durchgeführt werden: Dazu gehören Schienenstegdämpfer, Schienenstegabschirmungen sowie Schienenschmiereinrichtung an engen Bögen. Jede dieser Maßnahmen würde eine Lärmdämpfung von 3dB erwirken, in Summe fast 10dB – also eine weitere Halbierung der Lärmentwicklung“, rechnet Leitgeb vor

Nicht nur der Flughafen Innsbruck macht Lärm

„Wie auch schon in unserem Antrag im Mai-Landtag gefordert, wollen wir darüber hinaus den Aktionsplan zur Lärmbelastung durch Fluglärm um regionale Flughäfen in Tirol ergänzen. Der aktuelle Entwurf beinhaltet ausschließlich die Ausarbeitung strategischer Lärmkarten  für „Großflughäfen“.  Auch wenn die Mindestanforderungen für die Ausarbeitung strategischer Lärmkarten, für Aktionspläne und für Lärmindizes bei Kleinflughäfen nicht zutreffen, sieht Leitgeb aufgrund regionaler und topographischer Gegebenheiten Handlungsbedarf: „Um dem subjektiven Empfinden, einer allfälligen tatsächlichen Lärmbelastung und vor allem der gesundheitlichen Gefährdung entgegen zu wirken.“

Lärmenquete für das nachranginge Verkehrsnetz muss Ergebnisse bringen 

Der pinke Verkehrsexperte sieht aber natürlich auch Handlungsspielraum beim Aktionsplan zum nachrangigen Verkehrsnetz: „Der Entwurf wurde zwar im Sinne der EU-Richtlinie fortgeschrieben, Schritte auch bereits durch verkehrsleitende Maßnahmen und gesetzliche Änderungen eingeleitet, dennoch hat die Lärmbelastung im subjektiven Empfinden der Bevölkerung in den letzten Jahren stark zugenommen. Die für November angesetzte Lärmenquete für das Außerfern kann daher nur ein weiterer Schritt zur Erhebung der tatsächlichen gesundheitlichen Belastung sein.“ Mögliche und notwendige Maßnahmen dürfen sich für Leitgeb nicht allein auf EU-Richtlinien beschränken, sondern müssen auf die tatsächliche regionale Lärmbelastung abzielen.